Cover des Buches "Seveneves" von Neal Stephenson

Titel: „Seveneves“

Autor_in: Neal Stephenson

Format: Taschenbuch

Seitenzahl: 867 Seiten

Verlag: HarperCollins

Sprache: Englisch

ISBN-10: 0062396072

Genre: Science-Fiction

Ausgelesen: 28.04.2019

Bewertung: ★★★☆☆

Als der Mond zerbrach, glaubte die Erdbevölkerung, ein einmaliges, faszinierendes Spektakel am Himmel zu erleben. Niemand erkannte die Gefahr. Erst, als die BruchstĂŒcke zu kollidieren begannen, sich weitere Gesteinsbrocken abspalteten und MeteoriteneinschlĂ€ge zunahmen, begriffen Wissenschaftler, dass die Zerschlagung des Mondes fatale Konsequenzen haben wĂŒrde. Sie errechneten eine niederschmetternde Prognose: Zwei Jahre blieben der Menschheit, bis die Anzahl der Fragmente ein kritisches Maß erreicht hĂ€tte und der Hard Rain, ein Bombardement aus Billionen von Meteoriten, die Erde in eine Flammenhölle verwandeln wĂŒrde.

Um den Fortbestand ihrer Spezies dennoch zu sichern, bĂŒndelten Regierungen ihre Ressourcen und arbeiteten in einem beispiellosen Mammutprojekt daran, innerhalb von zwei Jahren so viele Menschen wie möglich ins All zu schicken. Eine handverlesene Elite sollte ausgehend von der internationalen Raumstation ISS den Weltraum besiedeln. Doch die Unberechenbarkeit menschlicher Verhaltensweisen riskierte selbst in dieser Stunde grĂ¶ĂŸter Not das Gelingen der Mission und dezimierte die Pioniere auf eine Handvoll Überlebende.

5.000 Jahre spÀter zÀhlt die Menschheit erneut in die Milliarden. Sieben Rassen entwickelten sich, deren Konflikte einem gemeinsamen Ziel entspringen: Der Entdeckung einer fremden Welt. Der Erde.

Als der Mond zerbrach, glaubte die Erdbevölkerung, ein einmaliges, faszinierendes Spektakel am Himmel zu erleben. Niemand erkannte die Gefahr. Erst, als die BruchstĂŒcke zu kollidieren begannen, sich weitere Gesteinsbrocken abspalteten und MeteoriteneinschlĂ€ge zunahmen, begriffen Wissenschaftler, dass die Zerschlagung des Mondes fatale Konsequenzen haben wĂŒrde. Sie errechneten eine niederschmetternde Prognose: Zwei Jahre blieben der Menschheit, bis die Anzahl der Fragmente ein kritisches Maß erreicht hĂ€tte und der Hard Rain, ein Bombardement aus Billionen von Meteoriten, die Erde in eine Flammenhölle verwandeln wĂŒrde.

Um den Fortbestand ihrer Spezies dennoch zu sichern, bĂŒndelten Regierungen ihre Ressourcen und arbeiteten in einem beispiellosen Mammutprojekt daran, innerhalb von zwei Jahren so viele Menschen wie möglich ins All zu schicken. Eine handverlesene Elite sollte ausgehend von der internationalen Raumstation ISS den Weltraum besiedeln. Doch die Unberechenbarkeit menschlicher Verhaltensweisen riskierte selbst in dieser Stunde grĂ¶ĂŸter Not das Gelingen der Mission und dezimierte die Pioniere auf eine Handvoll Überlebende.

5.000 Jahre spÀter zÀhlt die Menschheit erneut in die Milliarden. Sieben Rassen entwickelten sich, deren Konflikte einem gemeinsamen Ziel entspringen: Der Entdeckung einer fremden Welt. Der Erde.

„Seveneves“: Als der Mond die Erde zerstörte

Diese Rezension ist ein Monstrum. Neal Stephensons Science-Fiction-Roman „Seveneves“ umfasst ĂŒber 860 Seiten, umspannt einen Zeitraum von mehr als 5.000 Jahren und involviert zahllose höchst wissenschaftliche ErklĂ€rungen und Darstellungen. MĂŒsste ich das Buch mit einem Wort beschreiben, lautete es „abstrakt“. Kein Wunder, dass ich mir angesichts der Aussicht, ĂŒber „Seveneves“ schreiben zu mĂŒssen, beinahe ins Höschen machte. Wochenlang stand es auf meiner Kommode und verströmte eine bedrohliche Aura. Ich wollte es nicht einmal ansehen, weil es mich daran erinnerte, dass ich bald von einer Geschichte berichten musste, die ich nur ansatzweise begriffen habe und deren LektĂŒre wahnsinnig anstrengend war.

Ich habe ĂŒberdurchschnittlich lange gebraucht, weil ich unheimlich aufmerksam und prĂ€sent sein musste, um zu verstehen, was Stephenson beschrieb. Er fĂŒhrte mir schmerzhaft vor Augen, wie wenig ich ĂŒber Astrophysik und das All weiß. Ich musste ihm vorbehaltlos vertrauen, dass seine AusfĂŒhrungen plausibel, realistisch und wahrheitsgemĂ€ĂŸ sind, weil ich keine Möglichkeit sehe, diese zu ĂŒberprĂŒfen. Ich bin dermaßen ein Laie, dass ich bei Null anfangen mĂŒsste. Bis ich den erforderlichen Wissensstand erreicht hĂ€tte, um die technische und theoretische Seite von „Seveneves“ zuverlĂ€ssig einschĂ€tzen zu können, wĂŒrden Jahre ins Land ziehen. Also begab ich mich gutglĂ€ubig in Stephensons HĂ€nde und nahm jeden prĂ€sentierten Fakt als gegeben hin.

Diese Position vollkommener Ahnungslosigkeit befĂ€higt mich allerdings, zu urteilen, dass sich der Autor große MĂŒhe gab, seine ErklĂ€rungen nachvollziehbar zu gestalten. Er setzt kein Vorwissen voraus, er erwartet, dass man aufpasst und mitdenkt. In den ersten Zweidritteln des Romans funktionierte das fĂŒr mich trotz des benötigten Aufwands recht gut.

Die ersten beiden Abschnitte thematisieren die Zeit vor und wĂ€hrend des Einsetzens des Hard Rains, eine Spanne von etwa fĂŒnf Jahren. Es ist faszinierend, wozu die Menschheit in der Lage ist, wenn sie all ihre Energie auf ein gemeinsames Ziel ausrichtet. Ich staunte ĂŒber die technischen Lösungen, die ein Überleben im All ermöglichen und lernte, welche Hindernisse ĂŒberwunden werden mĂŒssen. HĂ€ttet ihr gedacht, dass Wassermangel und radioaktive Strahlung zu den grĂ¶ĂŸten Herausforderungen zĂ€hlen?

Stephenson erlĂ€utert detailliert jedes Problem und Risiko, ohne die menschliche Ebene aus den Augen zu verlieren. Er bietet einige sympathische Identifikationsfiguren an, die sich heldenhaft fĂŒr unsere Spezies aufopfern. Ich bewunderte sie alle und Ă€rgerte mich ĂŒber die Steine, die ihnen vor allem die irdische Politik in den Weg legte. „Seveneves“ lĂ€sst keinen Zweifel daran, dass Politik die Geißel der Menschheit ist, weil sie machthungrige, egoistische und skrupellose Individuen hervorbringt, deren einzige Agenda ihr eigenes Schicksal ist. Leider existieren solche Exemplare auch noch 5.000 Jahre spĂ€ter, weshalb die Wiederentdeckung der Erde in einen Krieg ausartet.

Dieser dritte Part ist der Grund, warum ich das Buch lediglich mit drei Sternen prĂ€mieren konnte. Meiner Ansicht nach war der Zeitsprung zu groß, denn er zwang Stephenson, ausschweifendes historisches Kontextwissen bereitzustellen, das die Handlung immer wieder stocken und in den Hintergrund rĂŒcken ließ. Ich hatte das GefĂŒhl, akute Entwicklungen waren nur sekundĂ€r von Belang und langweilte mich aufgrund des schmalen RealitĂ€tsbezugs, sodass mich nicht mal die als Schocker vorgesehenen Wendungen aus meiner Lethargie reißen konnten. Ich glaube, das letzte Drittel von „Seveneves“ war Neal Stephenson einfach nicht mehr so wichtig, was ich ĂŒberdeutlich wahrnahm.

„Seveneves“ ist ein anregendes und beĂ€ngstigendes Gedankenspiel, das mir vergegenwĂ€rtigte, wie wenig wir ĂŒber das All wissen und wie schutzlos wir deshalb auf unserer Erdkugel durch die Galaxie treiben. Wahrscheinlich wollte Neal Stephenson mit diesem Roman sowohl fĂŒr die Gefahren, die außerhalb unserer AtmosphĂ€re lauern, sensibilisieren, als auch eine pointierte, exakte Untersuchung menschlichen Verhaltens in Extremsituationen vornehmen.

Meiner Meinung nach gelang ihm beides, trotz des schwachen Endes. Mein Informationsstand mag begrenzt sein, doch ich glaube, das Szenario eines zerbrochenen Mondes ist durchaus möglich. Eine beklemmende Vorstellung, die Leser_innen, die sich in der Materie besser auskennen, vermutlich noch weit mehr zu schĂ€tzen wissen als ich. Mich beeinflusste die LektĂŒre dennoch nachhaltig: Seit „Seveneves“ blicke ich mit anderen Augen in den Himmel.

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