Cover des Buches "The Blade Itself" von Joe Abercrombie

Titel: “The Blade Itself”

Reihe: The First Law #1

Autor_in: Joe Abercrombie

Format: Taschenbuch

Seitenzahl: 515 Seiten

Verlag: Gollancz

Sprache: Englisch

ISBN-10: 0575079797

Genre: Fantasy > High Fantasy

Ausgelesen: 08.12.2020

Bewertung: ★★★★★

„The Blade Itself“ von Joe Abercrombie ist einer der wichtigsten Romane meiner Lesekarriere. Die deutsche Ausgabe „Kriegsklingen“ legte den Grundstein meiner Leidenschaft für High Fantasy. Ich habe immer gern Fantasy gelesen, aber erst nach dieser Lektüre fing ich an, mich wirklich mit dem Genre zu beschäftigen und erkannte, dass mir epische Geschichten aus fiktiven Welten am meisten Freude bereiten.

Nachdem ich im November 2020 Abercrombies Anthologie „Schattenklingen“ aus seinem „First Law“-Universum verschlungen hatte, verspürte ich das dringende Bedürfnis, zu rekapitulieren, wie alles begonnen hatte. Ein Reread musste her. Aber diesmal im Original. Ich kaufte die gesamte „The First Law“-Trilogie auf Englisch und freute mich, mit „The Blade Itself“ zu den Wurzeln meiner literarischen Passion zurückzukehren.

Die Union steht am Rande eines Krieges. Seit Bethod, selbsternannter König des Nordens, die Stämme vereinte und schwor, das Grenzgebiet Angland zurückzuerobern, bleibt der südlichen Nation nichts anderes übrig, als sich zu verteidigen. Doch nach Jahren des Friedens und Wohlstands ist die Union alles andere als kampfbereit. Korruption und Intrigen lähmen die Regierung in der Hauptstadt Adua. Wie tief die Fäulnis reicht, überrascht sogar den verkrüppelten Inquisitor Sand dan Glokta. Er ist einer Verschwörung auf der Spur, deren ungeheuerliche Ausmaße er gerade zu erahnen beginnt, als Adua von einem Geist aus der Vergangenheit heimgesucht wird.

In der Stadt taucht ein Mann auf, der behauptet, niemand geringeres als der große Bayaz persönlich zu sein – Magus, Vater der Zivilisation und Gründer der Union. Im Schlepptau hat er seinen Adepten und einen vernarben Nordmann namens Logen Neunfinger. Nicht eine Sekunde kauft Glokta ihm ab, dass er wirklich Bayaz ist. Bis sich seltsame Ereignisse in Adua häufen und geflüsterte Gerüchte von einem Feind künden, den die Union längst besiegt glaubte …

Die Union steht am Rande eines Krieges. Seit Bethod, selbsternannter König des Nordens, die Stämme vereinte und schwor, das Grenzgebiet Angland zurückzuerobern, bleibt der südlichen Nation nichts anderes übrig, als sich zu verteidigen. Doch nach Jahren des Friedens und Wohlstands ist die Union alles andere als kampfbereit. Korruption und Intrigen lähmen die Regierung in der Hauptstadt Adua. Wie tief die Fäulnis reicht, überrascht sogar den verkrüppelten Inquisitor Sand dan Glokta. Er ist einer Verschwörung auf der Spur, deren ungeheuerliche Ausmaße er gerade zu erahnen beginnt, als Adua von einem Geist aus der Vergangenheit heimgesucht wird.

In der Stadt taucht ein Mann auf, der behauptet, niemand geringeres als der große Bayaz persönlich zu sein – Magus, Vater der Zivilisation und Gründer der Union. Im Schlepptau hat er seinen Adepten und einen vernarben Nordmann namens Logen Neunfinger. Nicht eine Sekunde kauft Glokta ihm ab, dass er wirklich Bayaz ist. Bis sich seltsame Ereignisse in Adua häufen und geflüsterte Gerüchte von einem Feind künden, den die Union längst besiegt glaubte …

„The Blade Itself“: Was sich hinter Joe Abercrombies Kodderschnauze verbirgt

„The Blade Itself“ lässt sich unheimlich schwer zusammenfassen. Das schreibe ich nicht zum ersten Mal in einer Rezension; es gab in der Vergangenheit häufig Bücher, deren Inhaltsangaben kompliziert waren. Nicht wenige davon waren Vertreter der High Fantasy. Die spezielle Krux mit „The Blade Itself“ ist meinem Empfinden nach jedoch außergewöhnlich: Der Trilogieauftakt lässt sich inhaltlich so schwer umreißen, weil ich am Ende des Buches immer noch nicht wusste, worum es in der Handlung eigentlich geht.

Das klingt bei einem Reread vermutlich komisch. Ich muss gestehen, dass ich lediglich sehr grobe und blasse Erinnerungen an „The Blade Itself“ und die gesamte „The First Law“-Trilogie hatte. Ich musste die Geschichte also erneut kennenlernen und stellte fest, dass Joe Abercrombie zu Beginn sehr gemächlich vorgeht. Im ersten Band stellt er Weichen: Er illustriert das Worldbuilding, etabliert die wichtigsten Figuren und deutet einen gewaltigen Konflikt an, in dem es offenbar um Magie und das Schicksal seines Universums gehen wird, aber konkret wird er (noch) nicht.

Ich verstehe, dass das einige Leser_innen irritierte. Wer sich an Joe Abercrombies unverblümtem, direktem Schreibstil und seinem subtilen, dreckigen Humor allein nicht ergötzen kann, muss sich während „The Blade Itself“ zwangsläufig fragen, wann die Geschichte denn endlich Fahrt aufnimmt. Möchtet ihr das Buch zum ersten Mal lesen, will ich euch deshalb zwei Ratschläge mit auf den Weg geben.

Erstens: Bewundert das Worldbuilding. Joe Abercrombie hätte Robert E. Howard stolz gemacht. Die Union ist der Inbegriff einer an sich selbst überfressenen, von innen verrottenden Zivilisation, die vergaß, was sie einst groß machte und nun Gefahr läuft, von den Barbaren des Nordens überrannt zu werden. Dieses Porträt ist Abercrombie durch die vielen düsteren Windungen, die Inquisitor Glokta in „The Blade Itself“ beschreitet, hervorragend gelungen. Es bestand für mich nie ein Zweifel daran, dass es sich um eine zutiefst degenerierte Nation handelt, die sich irgendwann selbst zu Fall bringen wird.

Die einzigartige Persönlichkeit des Inquisitors Glokta ist darüber hinaus ein Paradebeispiel für meinen zweiten Rat: Öffnet euch den intimen Introspektiven der Figuren. Abercrombies tabulose Schilderung ihrer Gedanken und Gefühle ist meiner Meinung nach der Grund dafür, dass „The Blade Itself“ und „The First Law“ bis heute gefeiert werden. Setzt ihr euch intensiv mit ihnen auseinander, werdet ihr schnell erkennen, wie brillant seine Charakterisierungen und Inszenierungen sind. Beobachtet vor allem, in welchen Situationen er sie vorstellt und welche Wirkung er damit erreicht. Ich verspreche euch, es ist ein Hochgenuss.

Ich kann nachvollziehen, dass nicht alle Leser_innen restlos begeistert von „The Blade Itself“ waren und darin nicht die versprochene, klischeefreie Revolution der High Fantasy sahen. Meiner Ansicht nach braucht dieser Trilogieauftakt den zweiten Blick, um das Genie des Autors vollends zur Geltung kommen zu lassen. Obwohl ich mich an vieles nicht mehr erinnerte, hatte ich beim Reread des ersten Bandes der „The First Law“-Trilogie trotzdem den Vorteil, dass ich mich von der Geschichte nicht mehr überzeugen lassen musste.

Ich musste nicht herausfinden, ob mir das Buch gefällt, sondern nur noch, warum es mir damals wie heute gefiel. Dadurch habe ich viel stärker auf schriftstellerische Details achten können und kann nun besser wertschätzen, wie Joe Abercrombie bestimmte Techniken einsetzt, um die Emotionen seines Publikums sanft und subtil zu lenken. Er ist ein großartiger Geschichtenerzähler, dessen ungeschönte Direktheit einen interessanten Kontrast zu den scharfsinnigen Facetten des Worldbuildings und seiner Figuren bildet.

Lasst euch von Joe Abercrombies Kodderschnauze nicht täuschen. Dahinter verbergen sich ein äußerst wacher, intelligenter Geist und eine schillernde, aufregende Fantasie. Blut, Schweiß und Dreck sind nur eine Seite von „The Blade Itself“.

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