Cover des Buches "False Idols" von Jon Hollins

Titel: “False Idols”

Reihe: The Dragon Lords #2

Autor_in: Jon Hollins

Format: Taschenbuch

Seitenzahl: 591 Seiten

Verlag: Orbit

Sprache: Englisch

ISBN-10: 0316308285

Genre: Fantasy > High Fantasy

Ausgelesen: 28.11.2020

Bewertung: ★★★☆

Man muss kein Marketingprofi sein, um zu wissen, dass Verlage heutzutage bevorzugt Mehrteiler veröffentlichen. Diese Erfahrung machte auch Jon Hollins. Ihm war früh bewusst, dass sein High Fantasy – Roman „Fool’s Gold“ im Fall eines Verkaufs wahrscheinlich kein Einzelband bleiben würde. Er behielt recht. Aus „Fool’s Gold“ wurde der Auftakt der „Dragon Lords“-Trilogie – obwohl Hollins damals noch keine Ahnung hatte, wie er seine Geschichte fortführen wollte.

Glücklicherweise war er vorausschauend genug, seine Figuren und ihre Beziehungen gezielt so zu konzipieren, dass sie ihm unabhängig der Handlungsumstände Potenzial zur Weiterentwicklung boten. Darauf konnte er im zweiten Band „False Idols“ aufbauen und eine Fortsetzung abliefern, die es wirklich in sich hat!

Wenn man (versehentlich) eine Rebellion anzettelt, einen Haufen fieser Drachen besiegt und dabei auch noch stinkreich wird, sollte man meinen, für den Rest des Lebens ausgesorgt zu haben. Nach ihren denkwürdigen Abenteuern im Kondorra-Tal versuchen Quirk, Balur, Firkin, Lette und Will den Drachentöter_innen-Ruhestand zu genießen. Dumm nur, dass Kondorras Drachen nicht die einzigen waren. Plötzlich tauchen in jeder Schenke, an jedem Hof und auf jedem Marktplatz in Avarra Ausrufer auf, die verkünden, dass Drachen die Menschheit vom Joch der Götter befreien wollen.

Sind die psychopathischen Echsen jetzt völlig übergeschnappt? Sie planen doch nicht ernsthaft, das göttliche Pantheon zu stürzen? Einzig Will und seine Gefährten scheinen sich noch daran zu erinnern, dass man Drachen ganz bestimmt nicht als Götter will. Es wird höchste Zeit, die alte Truppe zusammenzubringen und ihnen noch einmal die Stirn zu bieten – bevor es zu spät ist und Drachen in Avarra wie Götter verehrt werden.

Wenn man (versehentlich) eine Rebellion anzettelt, einen Haufen fieser Drachen besiegt und dabei auch noch stinkreich wird, sollte man meinen, für den Rest des Lebens ausgesorgt zu haben. Nach ihren denkwürdigen Abenteuern im Kondorra-Tal versuchen Quirk, Balur, Firkin, Lette und Will den Drachentöter_innen-Ruhestand zu genießen. Dumm nur, dass Kondorras Drachen nicht die einzigen waren. Plötzlich tauchen in jeder Schenke, an jedem Hof und auf jedem Marktplatz in Avarra Ausrufer auf, die verkünden, dass Drachen die Menschheit vom Joch der Götter befreien wollen.

Sind die psychopathischen Echsen jetzt völlig übergeschnappt? Sie planen doch nicht ernsthaft, das göttliche Pantheon zu stürzen? Einzig Will und seine Gefährten scheinen sich noch daran zu erinnern, dass man Drachen ganz bestimmt nicht als Götter will. Es wird höchste Zeit, die alte Truppe zusammenzubringen und ihnen noch einmal die Stirn zu bieten – bevor es zu spät ist und Drachen in Avarra wie Götter verehrt werden.

„False Idols“: Revolutionsroman­tik pur

Wow. Ich bin wirklich positiv überrascht von „False Idols“. Das hat zwei Gründe. Einerseits ist der zweite Band der „Dragon Lords“-Trilogie im Vergleich zum ersten Band „Fool’s Gold“ eine echte Verbesserung. Jon Hollins gelang es, die Handlung deutlich flüssiger zu gestalten, wodurch ich weniger Schwierigkeiten mit der Taktung hatte.

Die Unterschiede im Spannungsbogen zwischen actionreichen und actionarmen Passagen sind weniger extrem und ausgeprägt. Natürlich gibt es weiterhin ruhigere Szenen, in denen sich die Figuren hauptsächlich unterhalten und diese sind nicht immer brennend interessant, aber gelangweilt habe ich mich während der Lektüre von „False Idols“ nie.

Die Öffnung des Worldbuildings empfand ich ebenfalls als positive Entwicklung. In „Fool’s Gold“ fragte ich mich noch, wie es sein kann, dass es Drachen nur im Kondorra-Tal gibt und fand es nicht realistisch, dass die gierigen Echsen lediglich einen Landstrich terrorisieren. In „False Idols“ korrigiert Jon Hollins dieses Missverständnis und stellt klar, dass Drachen auch an anderen Orten des Kontinents Avarra leben und sich dort genauso unerträglich verhalten.

Andererseits bin ich sehr beeindruckt davon, wie unmissverständlich mich die Spielarten des Konflikts zwischen Drachen und Menschen an die Propagandastrategien der Nazis im Dritten Reich erinnerten. Statt physischer Unterdrückung setzen die intelligenten Bestien dieses Mal auf Polemik und Populismus, um ihre Machtposition auszubauen.

Sie stellen Avarras Götterpantheon öffentlich in Frage, um den Glauben der Menschheit zu schwächen. Damit schwächen sie auch die Götter und Göttinnen selbst, da diese von der Kraft des menschlichen Glaubens abhängig sind. Jon Hollins setzt in „False Idols“ demnach ein altbekanntes Konzept der Beziehung zwischen Menschen und Göttlichen als Motor seines ideologischen Konflikts ein.

Es gruselte mich, wie gut die emotionale Manipulationstaktik der Drachen funktioniert, weil Hollins‘ Szenario beängstigend wirklichkeitsnah ist. Ein Krieg, der in den Köpfen und Herzen der Menschen stattfindet, ist so viel schwieriger auszutragen und zu gewinnen. Die Verschiebung des Schlachtfelds ist demnach ein äußerst kluger, effektiver Schachzug des Autors, durch den mir die Drachen sofort noch bösartiger und gefährlicher erschienen.

Denke ich mir ihre massive Physis weg und blicke einzig und allein auf ihre Charakterisierung, bleibt eine Spezies übrig, die sich vor allem dadurch auszeichnet, dass sie unumstößlich von ihrem Herrschaftsanspruch überzeugt ist. Sie streben allzeit nach Dominanz, weil sie glauben, evolutionär dazu berechtigt zu sein. Dieselbe Logik wird in unserer Realität seit Jahrhunderten genutzt, um Eliten zu legitimieren – nicht zuletzt von den Nazis.

Obwohl es sich bei „False Idols“ um High Fantasy handelt, ließ sich Jon Hollins folglich von gesellschaftlichen Strukturen inspirieren, deren repressives Potenzial seinen Leser_innen bestens vertraut ist. Dadurch wirkt die Handlung ganz von allein bedrohlich, denn sie ist in ihrem Kern geradezu unheimlich vorstellbar. Ebenso ergibt sich daraus mühelos Sympathie für die Figuren – Underdogs, die gegen Unrecht kämpfen, sind ja immer beliebt. Revolutionsromantik pur.

Ich freue mich, dass ich „False Idols“ eindeutig als Steigerung im Vergleich zu „Fool’s Gold“ wahrnahm. Vom Konzept der „Dragon Lords“-Trilogie war ich immer überzeugt, nur die Umsetzung des Auftakts bereitete mir Bauchschmerzen, weil der erste Band noch nicht rund wirkte. Die Fortsetzung ist wesentlich mitreißender und kohärenter. Mir erschien sie sogar erwachsener.

Insgesamt bin ich daher sehr glücklich mit der Richtung, die Jon Hollins in „False Idols“ einschlägt und bin sehr neugierig, wie er die Abenteuer von Will und Konsorten in „Bad Faith“ abschließt. Kein Wunder, nach diesem Cliffhanger. Wenn ihr „False Idols“ lesen wollt, macht euch auf ein Ende gefasst, das so richtig schön frustrierend offen ist. Es verspricht aber auch eine faszinierende Dynamik für das Finale, die die Karten völlig neu mischt. Was auch immer Hollins sich ausdenken wird – es wird garantiert spannend!

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