Hallo ihr Lieben! :)
Erinnert ihr euch, dass ich euch im April von meinen Problemen mit Steven Eriksons epischer Fantasy-Reihe „Das Spiel der Götter“ berichtete? Für alle, deren Gedächtnis jetzt gerade Däumchen dreht und für alle, die keine Lust haben, HIER noch einmal nachzulesen, eine Kurzfassung. Die Saga ist im englischen Original seit 2011 vollständig erschienen. Seit 2012 rackert sich der Verlag blanvalet mit der Übersetzung für den deutschen Markt ab. Da die zehn originalen Bände recht umfangreich sind, wurde entschieden, sie zu teilen, wovon der Auftakt „Die Gärten des Mondes“ allerdings ausgenommen wurde. Aktuell sind 16 der geplanten 19 Bände veröffentlicht. Dieser Fortschritt mutierte bereits zu einem äußerst langwierigen, strapazierenden Prozess. Erscheinungstermine konnten nicht eingehalten werden und wurden zum Teil um Jahre verschoben. Natürlich ohne eine Erklärung des Verlags, denn blanvalet scheint so gar nichts von Transparenz zu halten, was mich einem kolossalen Wutanfall immer näher brachte.
Als ich meinem Ärger im April in einem ausführlichen Beitrag Luft machte, bangte ich der Veröffentlichung des Bandes #17 „Die Schwingen der Dunkelheit“ entgegen, der laut blanvalet am 18. November 2019 endlich das Licht der Welt erblicken sollte. Damals wartete ich bereits seit etwa zweieinhalb Jahren auf diese Fortsetzung. Am Montag letzter Woche erhielt ich eine E-Mail von Amazon. Das Drama geht in den nächsten Akt.

Etwa zwei Wochen, bevor mein Beschwerde-Post online ging, hatte ich das Thema Ende März in einer Montagsfrage schon einmal angesprochen (HIER). Daraufhin meldete sich überraschend der Übersetzer von „Das Spiel der Götter“ bei mir, Tim Straetmann. Er erklärte mir, dass die Verzögerungen an ihm lägen, ich mich aber tatsächlich auf das voraussichtliche Erscheinungsdatum von „Die Schwingen der Dunkelheit“ am 18. November freuen dürfte und ich mir seines Wissens nach keine Sorgen machen müsste, dass die Reihe vorzeitig abgebrochen werden könnte. Ich war erleichtert und fühlte mich beruhigt, obwohl seine erfreuliche Offenheit die mangelnde Transparenz seitens blanvalet natürlich nicht ausglich.
Er konnte nicht Wort halten. Ich zeige euch einen Ausschnitt der Mail, die mir Amazon am Montag schickte:

Ich weiß nicht, was in der Zwischenzeit passiert ist, wieso sich die Veröffentlichung nun doch wieder verschiebt. Es muss gravierend sein, denn schließlich handelt es sich nicht um eine kleine Verzögerung, sondern um 10 Monate, die ich länger warten muss. Vorausgesetzt, es bleibt bei diesem Datum.
Ich habe selbstverständlich sofort einen Abstecher auf die Website von blanvalet unternommen, um nachzusehen, ob sie sich dieses Mal vielleicht äußerten – nichts. Das Erscheinungsdatum wurde mucksmäuschenstill angepasst, mehr ist nicht zu sehen.
Ich dachte, ich würde zetern und toben, wenn mich wieder so eine Mail erreicht und eine Schneise der Verwüstung hinterlassen. Das ist nicht eingetreten. Es ist traurig, aber trotz der beruhigenden Worte von Tim Straetmann habe ich wohl weiterhin daran gezweifelt, „Die Schwingen der Dunkelheit“ im November endlich in den Händen halten zu können. Ich werfe ihm nicht vor, dass er mir falsche Hoffnungen machte, weil ich nicht glaube, dass er das absichtlich getan hat. Ich denke, er war sich des Veröffentlichungsdatums ziemlich sicher. Ich bin nicht mehr wütend. Ich bin resigniert.
„Das Spiel der Götter“ ist ein sensationell komplexes High Fantasy – Epos, das für mich die Möglichkeiten und Grenzen des Genres neu definierte. Es ist kompliziert, verschachtelt und umspannt sowohl chronologisch als auch geografisch schwindelerregende Dimensionen. Ich habe mir nie die Mühe gemacht, alle bedeutenden Figuren zu zählen, aber vermutlich bewegen wir uns im höheren zweistelligen Bereich, mit einer Tendenz zur Dreistelligkeit. Die Bände einer solchen Reihe kann man nicht mit großen zeitlichen Abständen lesen, weil man zu viel vergisst. Steven Erikson ist kein Autor, der seinen Leser_innen mit Erinnerungsstützen entgegenkommt. Er erwartet, dass man alle wichtigen Entwicklungen auf dem Schirm hat. Deshalb weiß ich schon jetzt, dass ich irgendwann noch einmal von vorn beginnen muss. Das ist äußerst ärgerlich, weil ich bereits ziemlich weit gekommen bin und mir nur noch die letzten beiden Doppelbände fehlen, um die Saga abzuschließen. Solange blanvalet diese allerdings nicht veröffentlicht, bin ich gezwungen, zuzusehen, wie meine Erinnerungen an die Handlung langsam verblassen.
Diese erneute Verzögerung befeuert außerdem meine Sorge, dass der Verlag die Reihe einstellt, bevor sie vollständig erschienen ist. Aus ihrer Sicht könnte ich das sogar nachvollziehen, denn „Das Spiel der Götter“ kann sich finanziell nicht rentieren. Ich weiß nicht viel über Markmechanismen in der Buchbranche, doch mir ist bewusst, dass lange Reihen meistens ein Verlustgeschäft bedeuten, weil die Leser_innen zunehmend abspringen. Laut Tim Straetmann ist blanvalet noch immer entschlossen, das Projekt durchzuziehen, aber wer weiß schon, ob sich das nicht doch ändert. Soll ich also geduldig ausharren und das Risiko eingehen, am Ende vielleicht umsonst zu warten?
Ich spiele ernsthaft mit dem Gedanken, aufzugeben. Ich habe es so satt. Das heißt natürlich nicht, dass ich „Das Spiel der Götter“ abbrechen möchte, nein, keineswegs. Ich überlege, auf die englischen Originale umzusteigen. Wie oft habe ich mir schon in den Hintern gebissen, dass ich nicht gleich auf Englisch begonnen habe. Allerdings schreckt mich die englische Sprache auch, schließlich ist die Saga selbst in meiner Muttersprache eine Herausforderung. Ich denke, dass meine Sprachkenntnisse dafür theoretisch ausreichen, aber niemand kann mir sagen, wie anstrengend die Lektüre für mich werden würde.
Darüber hinaus ist es selbstverständlich blöd, noch einmal Geld für eine Reihe auszugeben, von der ich bereits 16 Bände besitze. Wohl gemerkt habe ich für einige den vollen Preis hingeblättert, weil ich sie direkt am Erscheinungstag neu gekauft oder gar vorbestellt und nicht auf gebrauchte Exemplare gewartet habe. Der dritte Band (Part 2 des ersten Doppelbandes nach dem Auftakt) kostete mich ein kleines Vermögen, weil er damals noch nicht als Neuauflage erschienen und vergriffen war. Ich müsste mir zwar keine Gedanken darüber machen, die Bücher doppelt im Regal stehen zu haben, weil ich meine deutschen Ausgaben sicher an meine Mutter abtreten könnte, aber der finanzielle Aufwand, der darin steckt, schmerzt mich durchaus.
Dennoch würde ich mit den englischen Originalen das Risiko, dass blanvalet die Reihe einstellen könnte, umgehen. Ich müsste nicht mehr auf unbestimmte Zeit warten. Ich könnte sie Stück für Stück kaufen und erst mit dem Reread beginnen, wenn ich alle besitze, wodurch ich sie dann relativ zügig nacheinander lesen könnte. Vermutlich sind sie gebraucht nicht mal teuer, weil „Das Spiel der Götter“ ja beinahe 10 Jahre alt ist, selbst das Finale. Zusätzlich reizt es mich, Steven Eriksons ureigenen Schreibstil kennenzulernen, ohne den Filter eines Übersetzers. Wortspiele, die während der Übersetzung zwangsläufig verloren gehen müssen, poetische Formulierungen, die in Deutsch ihre Wirkung nicht entfalten, Charakter- und Ortsnamen, das magische System der Gewirre – all das könnte ich unmittelbar erleben, vorausgesetzt, mein Englisch reicht dafür.
Ein weiteres Argument, das dafür spricht, ist die Tatsache, dass Steven Erikson seit diesem Epos nicht untätig war. Er hat eine weitere Trilogie geschrieben, die die Vorgeschichte von Anomander Rake und seinen Brüdern erzählt und die nun schon ewig auf meiner Wunschliste versauert, weil ich diese nicht beginnen möchte, bevor ich „Das Spiel der Götter“ abgeschlossen habe. Seit bekannt wurde, dass er außerdem an einer neuen Reihe um den Toblakai Karsa Orlong arbeitet, den ich vergöttere, empfinde ich steigende Dringlichkeit. Diese wird auf den Ereignissen in „Das Spiel der Götter“ aufbauen, das heißt, ich werde sie nicht lesen können, ohne zu wissen, wie es endet. Bricht blanvalet die Reihe ab, werde ich sie niemals lesen können.
Der Reread selbst, den ich ohnehin in Angriff nehmen muss, selbst wenn blanvalet irgendwann aus den Puschen kommt, macht mir nichts aus, weil ich davon ausgehe, dass gerade diese Reihe sich hervorragend dazu eignet, sie mehrfach zu lesen. Mir werden neue und andere Details auffallen. Tatsächlich freue ich mich darauf. Was mich hingegen beschäftigt, ist die Frage, wie ich mit den Rezensionen umgehen soll, die ich bereits geschrieben habe. Sollte ich die stehen lassen? Neu schreiben? Aktualisieren? Oder sollte ich zusätzlich Reread-Rezensionen veröffentlichen, die sich auf meine Erfarhung des wiederholten Lesens konzentrieren?
Ich bin wirklich unschlüssig. Die Aussicht, „Das Spiel der Götter“ endlich abschließen zu können und nicht mehr auf blanvalet angewiesen zu sein, ist unheimlich verlockend, aber ich bin eigentlich kein Freund davon, einfach aufzugeben. Ich möchte hier nichts beschönigen – auf Englisch umzusteigen, käme einem Streichen der Segel gleich und mir ist klar, dass ich damit für den deutschen Verlag eine weitere Leserin bin, die abspringt und Schuld daran trägt, dass sich die Reihe nicht mehr rentiert. Habe ich nicht auch eine Verantwortung anderen deutschen Leser_innen gegenüber? Muss ich das jetzt durchstehen? Oder kann ich guten Gewissens wechseln?
Da ich mich wirklich nicht entscheiden kann, habe ich beschlossen, mir Hilfe von euch zu holen und eine Abstimmung zu veröffentlichen. Eure Meinung ist mir wichtig und ich denke, ich kann mich in meinem Konflikt auf euch verlassen. Ihr werdet mich dabei unterstützen, herauszufinden, wie ich mich am besten verhalten sollte.
Stimmt für mich ab und sagt mir, ob ihr glaubt, ich sollte blanvalet die Treue halten oder mich aus dem Staub machen.

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Ich danke euch für eure Hilfe und hoffe von Herzen, dass ihr euch nicht mit ähnlichen Problemen herumschlagen müsst.
Alles Liebe,
Elli ❤️