Montagsfrage: Uebersetzungsstars?

Hallo ihr Lieben :)

Der Lieblingsmensch und ich haben eine neue Leidenschaft. Wir haben letzte Woche die US-amerikanische TV-Show „Forged in Fire“ für uns entdeckt. In dieser Sendung treten (Hobby-) Schmied_innen gegeneinander an und schmieden antike, historische Waffen: Schwerter, Stangenwaffen, Dolche, einfach jede Form von tödlicher Waffe, die in der Geschichte irgendwann einmal eine Rolle gespielt hat. Eine Expertenjury bewertet und testet ihre Ergebnisse; wessen Waffe am besten ist, erhält ein Preisgeld von $ 10.000.

Mich begeistert die Show, weil es super interessant und spannend ist, zu beobachten, wie Waffen, die ich aus meinem literarischen Lieblingsgenre kenne, hergestellt werden. In der High Fantasy sind Waffen ja selten fortschrittlich. Meist wird mit Schwertern, Äxten und ähnlichen Werkzeugen gekämpft. Hin und wieder wird der Schmiedeprozess auch thematisiert, aber richtig vorstellen konnte ich mir das bisher nicht, denn auf die technischen, chemischen und physikalischen Details gehen Autor_innen normalerweise nicht ein. Ich wusste zum Beispiel nicht, wie genau Damaszener Stahl hergestellt wird oder warum es entscheidend für den Erfolg ist, dass der Stahl die richtige Temperatur hat, wenn er abgeschreckt wird.

Die Schmied_innen in „Forged in Fire“ sind überwiegend keine Profis und üben das Handwerk nicht hauptberuflich aus. Dadurch passieren ihnen einerseits Fehler, die für mich sehr lehrreich sind und andererseits verfügen sie häufig nicht über modernes Equipment. Es waren schon einige dabei, die den erhitzten Stahl tatsächlich noch von Hand hämmern. Es fasziniert mich, live zu sehen, wie sich ein Stück Metall langsam in eine erkennbare Form verwandelt. Das ist ungemein befriedigend.

Wenn ihr ebenfalls häufig Bücher lest, in denen mit antiken Waffen gekämpft wird, kann euch die Show nur empfehlen. Kann man das ganze (künstliche) Drama des Wettbewerbs drum herum ignorieren, lernt man wirklich viel über Schmiedekunst und entwickelt dementsprechend auch ein tieferes Verständnis für Klingenwaffen. Außerdem macht es einfach Spaß, den Tests zuzuschauen. Falls es euch interessiert, besucht gern mal den YouTube-Kanal von „Forged in Fire“, dort werden die Folgen zwar nicht in Gänze gezeigt, ihr erhaltet aber einen ersten Eindruck der Waffen und davon, was in der Show passiert.

Nun aber genug von Waffen und Schmiedekunst, widmen wir uns der Montagsfrage von Sophia von Wordworld!

Achtet Ihr auf die Namen von Übersetzer_innen? Falls ja, wer leistet Eurer Meinung nach besonders gute Arbeit?

Ich lese verhältnismäßig wenig Übersetzungen. Das hat zwei Gründe. Erstens: Mein Bücherregal ist überwiegend westlich geprägt, das heißt, die Mehrheit meiner Bücher wurde von deutschen oder englischsprachigen Autor_innen geschrieben. Zweitens: Bücher, die ursprünglich in Englisch erschienen sind, lese ich in der Originalsprache. Ich besitze natürlich auch Bücher, die aus anderen Sprachräumen stammen, doch das ist wirklich die Minderheit.

Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich Übersetzer_innen nicht allzu viel Aufmerksamkeit schenke. Das war bereits so, als ich noch ausschließlich auf Deutsch gelesen habe. Ich sollte besser darauf achten, das ist mir klar, denn Übersetzer_innen üben einen wichtigen und wertvollen Beruf aus. Ohne sie wäre jeder Buchmarkt deutlich überschaubarer. Trotzdem geht es meist an mir vorbei, wer ein Buch übersetzt hat. Das fällt mir normalerweise nur auf, wenn ich das Gefühl habe, dass die Übersetzung schlecht ist – was ich aber auch nur für Englisch beurteilen kann und diese Notwendigkeit ist ja weggefallen, seit ich im Original lese.

Ein Name ist mir heute aber trotzdem eingefallen: Andreas Brandhorst. Andreas Brandhorst hat viele der „Scheibenwelt“-Romane von Terry Pratchett übersetzt. Seine Übersetzungen sind erstklassig, weil es ihm immer gelungen ist, Terry Pratchetts Humor, die feine Ironie seiner Geschichten, ins Deutsche zu übertragen. Das muss man erst mal hinkriegen. Ich glaube nicht, dass das leicht war, weil die Scheibenwelt ein sehr spezielles High Fantasy – Setting ist und über viele Besonderheiten – auch in der Namensgebung – verfügt. Ich bin ihm dafür wahnsinnig dankbar, denn ohne seine fabelhaften Übersetzungen hätte ich mich wahrscheinlich nicht in Terry Pratchetts Werk verliebt.

Später hat Gerald Jung diesen Job übernommen, der ebenfalls sehr zuverlässig übersetzt. Möglicherweise hängt der Wechsel damit zusammen, dass Andreas Brandhorst sich mittlerweile selbst als Autor einen Namen gemacht hat. Ich habe bisher einen Roman aus seiner Feder gelesen: „Seelenfänger“. Dieses Buch war leider gar nicht mein Ding. Seine Übersetzungen sind mir weit lieber.

Ein weiterer High Fantasy – Übersetzer, den ich heute noch erwähnen möchte, ist Tim Straetmann. Er hat Steven Eriksons „Malazan Book of the Fallen“ übersetzt und das ganz hervorragend gemacht. Leider konnte er die Reihe jedoch nicht vollständig übersetzen, weil ihm meines Wissens die Gesundheit einen Strich durch die Rechnung machte. Deshalb musste Simon Weinert ab dem 18. Band (für den deutschen Markt wurden die Bände ja geteilt) übernehmen. Da ich zu diesem Zeitpunkt schon beschlossen hatte, noch einmal auf Englisch von vorn anzufangen, kann ich nicht einschätzen, ob seine Übersetzungen ebenso gut sind wie die von Straetmann.

Es ist wirklich traurig, dass mir heute nur Brandhorst und Straetmann eingefallen sind. Das ist ein Armutszeugnis. Ich gelobe Besserung und nehme mir vor, künftig mehr auf Übersetzer_innen zu achten, wenn ich übersetzte Bücher lese.

Welche Übersetzer_innen sollten eurer Meinung nach mehr Aufmerksamkeit erhalten?

Ich freue mich wie immer sehr auf eure Beiträge und Kommentare und wünsche euch allen einen interessanten Start in die neue Woche!
Alles Liebe,
Elli ❤️