montagsfrage neu
Hallo ihr Lieben! :)
Heute wird es heiß. Trotzdem habe ich heute einiges vor. Wohnung putzen, Rezension fertig schreiben, den Beitrag für morgen vorbereiten, beim Tätowierer anrufen und fragen, ob ich meinen Termin verschieben kann, Lesen, mit dem Hund im Park sitzen und rechtzeitig ins Bett gehen (ja, bei mir ist das ein Tagesordnungspunkt, den ich mir bewusst vornehmen muss). Mal schauen, wie viel davon ich tatsächlich schaffe. :D Bevor ich mich an meine restlichen Tagesaufgaben mache, möchte ich aber erst einmal die Montagsfrage vom Buchfresserchen Svenja beantworten:

Wie schafft es eine Hauptfigur, sich bei dir unbeliebt zu machen?

Gute Frage. Ich habe mir Zeit genommen und wirklich darüber nachgedacht, denn meiner Meinung nach ist sie nicht so leicht zu beantworten. Wie Svenja schon schrieb, spielen da viele Faktoren zusammen – was eine pauschale Antwort mehr oder weniger unmöglich macht. Es gibt einen Haufen Eigenschaften, die ich sehr unsympathisch finde, aber das bedeutet nicht automatisch, dass mir auch der/die BesitzerIn dieser Eigenschaften unsympathisch ist. Es hängt vom Gesamtbild einer Figur ab und wie viel Tiefe sie besitzt. Gute AutorInnen schaffen es, dass ich auch für die widerlichsten Bösewichte Verständnis und unter Umständen sogar Mitgefühl aufbringen kann. Daher denke ich, dass es weniger um ein Bündel bestimmter Attribute, sondern eher um die gesamte Konstruktion eines Charakters oder einer Persönlichkeit geht.
Ich mag keine schwachen Charaktere. Das schließt Weinen, Heulen und Jammern mit ein, aber auch mangelnde Willensstärke, Unselbstständigkeit, Feigheit oder die permanente Unfähigkeit, Entscheidungen zu treffen. Ich habe kein Problem damit, wenn eine starke Figur mal einen schwachen Moment hat, richtige Charakterschwäche kann ich jedoch nur schwer ertragen. Figuren, die fallen, wieder aufstehen und weitermachen, verdienen sich meinen Respekt, aber wer fällt, liegen bleibt und dann vielleicht auch noch darauf wartet, gerettet zu werden, ist raus. Ein passendes Beispiel ist Frodo aus Herr der Ringe, den ich ja schon öfter in diesem Zusammenhang erwähnt habe. Obwohl er den Ring letztendlich ins Feuer des Schicksalsberges wirft, ist er meiner Meinung nach kein Held, sondern nur ein schwächliches Häufchen Elend, das mir unheimlich auf die Nerven ging. Ich bleibe dabei: der wahre Held ist Sam.
Figuren, die sich unlogisch, dumm und völlig gedankenlos verhalten, haben es bei mir ebenfalls schwer. Da sind die PläneschmiederInnen, die nicht merken, dass sie auf eine Katastrophe zusteuern, obwohl es meinem Gefühl nach in dicken roten Leuchtlettern über ihren Köpfen steht. Dann die NullcheckerInnen, denen man mit einer bestimmten, extrem offensichtlichen Tatsache schon direkt auf den Kopf schlagen müsste, damit sie es kapieren. Diejenigen, die nicht aufmerksam genug sind, um Zusammenhänge richtig zu deuten. Die Gefühlstrampel, die andere verletzen, ohne es zu merken, weil sie nicht über ihren eigenen Tellerrand schauen und sich deswegen nicht in andere Charaktere hinein versetzen können. Eigentlich immer, wenn ich das Gefühl habe, cleverer als die Hauptfigur zu sein, bin ich genervt. Ich will beim Lesen nicht ständig daran denken müssen, wie man eine Situation viel besser hätte bewältigen können und mich fragen müssen, warum der/die ProtagonistIn das nicht erkennt. Als Beispiel für alle diese Punkte ist mir Mare aus „Red Queen“ von Victoria Aveyard eingefallen – sie war der Hauptgrund, warum ich von dem Buch ziemlich enttäuscht war.
Hypermaskuline Alpha-Männchen. Das ist so unrealistisch und stereotyp. Tatsächlich gibt es da zwei verschiedene Ausprägungen: erstens gibt es die Bad Boys, in die sich die LeserInnen nur langsam verlieben sollen. Harte Schale, weicher Kern und so weiter. Zweitens gibt es die guten Jungs, die auf den ersten Blick perfekte Schwiegersöhne sind, auf den zweiten Blick aber einen Haufen unangenehmer Eigenschaften besitzen, für die ich ihnen gern mal kräftig in die Kronjuwelen treten würde. Beide Typen sind meist sehr besitzergreifend, teilweise krankhaft eifersüchtig, manipulativ und kontrollieren gern die Frauen an ihrer Seite. Beschützer schön und gut, aber wenn diese Männer Frauen nicht erlauben, für sich selbst einzustehen, zu kämpfen und sie eigentlich am liebsten zu Hause vor dem Herd sehen würden, weil sie nicht an ihre Stärke glauben, stößt mich das ab und macht mich wütend. Über solche überholten Gender-Rollen und -Klischees sollten wir eigentlich hinaus sein. Ein Beispiel für Typ 1 ist Jace Herondale aus The Mortal Instruments; exemplarisch für Typ 2 ist Ethan Sullivan aus der Chicagoland Vampires – Reihe.
Zu guter Letzt gibt es dann noch die Figuren, die einfach viel zu glatt sind. Zu perfekt, um wahr zu sein. Gähn, LANG-WEI-LIG! Das Problem mit diesen Figuren ist, dass sie berechenbar sind. Ohne Ecken und Kanten, ohne seelische Abgründe, gibt es keine Überraschungen. Auch diese Charaktere sind unrealistisch, weil es niemanden gibt, der/die nicht ab und zu hässliche Gedanken hat oder sich falsch verhält. Menschen machen Fehler, das ist nun mal so. Figuren, die keine machen, misstraue ich. Ich kann zu ihnen keine Verbindung aufbauen, weil sie mir keine Fläche zur Identifikation bieten, denn ich bin nicht perfekt.
So, ich denke, ich habe alle Punkte abgedeckt, die mich bei Buchfiguren (fast) in den Wahnsinn treiben. Im Großen und Ganzen bin ich allerdings doch recht tolerant. Ich schreibe Figuren nicht sofort ab, selbst wenn sie meine Aufreger-Punkte an den Tag legen. Ich gestehe jedem Charakter Entwicklung zu und bin eigentlich stets optimistisch genug, um daran zu glauben, dass sie mir noch sympathisch werden. Manchmal lohnt sich mein Optimismus nicht, aber ich wurde auch schon positiv überrascht und diese Momente sind mir wertvoll genug, dass ich mir meinen Glauben erhalte. ;)

Welche Punkte regen euch an Buchfiguren so richtig auf?

Ich freue mich wie immer sehr auf eure Meinungen und Kommentare und wünsche euch allen einen wundervollen Wochenstart! :)
Alles Liebe,
Elli