fazit

Es ist vollbracht. Mein Blogprojekt „Robert E. Howard & Conan der Barbar“ ist abgeschlossen. Acht Wochen. 22 Beiträge (diesen eingeschlossen). Ich kann es noch gar nicht fassen. Für euch ist dieses Finale wahrscheinlich weniger spektakulär als für mich, aber ihr befindet euch ja auch in der vorteilhaften Position, lediglich die Früchte meiner Arbeit zu sehen. 😉 Ich habe monatelang geschuftet und all meine Leidenschaft für Literatur, Fantasy und Robert E. Howard in diese Beitragsreihe gesteckt. Verzeiht mir, dass ich mich jetzt, am Ende, ein wenig sentimental fühle.

Als ich 2018 beschloss, herauszufinden, warum dieser berühmte Barbar, den ich ausschließlich mit Arnold Schwarzenegger im Lendenschurz assoziierte, und dessen Schöpfer, mit dessen Namen ich damals überhaupt nichts verband, so oft von modernen Autor_innen als Inspiration genannt wird, hatte ich nicht die leiseste Ahnung, was daraus entstehen würde. Hätte ich es gewusst, ich hätte trotzdem nichts anders gemacht. Dieses Projekt hat mir unglaublich viel gegeben und war allein deshalb all die Mühe wert. Ich hoffe natürlich, dass ihr ähnlich empfindet, doch das kann ich nicht beeinflussen. Tatsächlich würde es mich überraschen, wenn hier auch nur eine Seele virtuell anwesend ist, die wirklich jeden einzelnen Beitrag gelesen hat. Sollte ich mich irren – tretet vor, ihr verdient meinen Respekt und Applaus. Ich weiß, dass ich nicht nur mir, sondern auch euch eine Menge zugemutet habe. Mir ist bewusst, dass ein so umfangreiches Projekt über mehrere Wochen zu einem einzigen Thema angesichts der heutigen digitalen Konsumgeschwindigkeit schwierig ist. Dennoch, ich glaube, es war richtig. Es war richtig, weil man über Conan nicht sprechen kann, ohne über Robert E. Howard zu sprechen und weil man nicht über Robert E. Howard sprechen kann, ohne über seine Lebensumstände zu sprechen und weil man nicht über seine Lebensumstände sprechen kann, ohne über Texas zu sprechen und so weiter und so weiter und so fort. Ihr versteht, worauf ich hinauswill. Ich denke, das ist die wichtigste Lektion, die Robert mich lehrte: die Bedeutsamkeit von Kontext.

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Robert E. Howard posiert mit Waffen (vermutlich 1930er Jahre), als gemeinfrei gekennzeichnet, Details auf Wikimedia Commons

Robert E. Howard war ein Autor, den man heute nur dann wahrhaft verstehen kann, wenn man sich genau anschaut, wie sein Leben aussah. Mir sind bisher wenige Schriftsteller_innen begegnet, deren Werk so exzessiv von ihren Erfahrungen beeinflusst wurde. Selbstverständlich fließt Persönliches in jede Geschichte ein, die geschrieben wird, sei es nun Roman, Kurzgeschichte oder Novelle. Doch Robert… Er lebte in seiner Literatur. Alles, was er schrieb, spiegelt seine Persönlichkeit, seine Überzeugungen und seine Interessen wider. Er verwirklichte sich in seinen Geschichten und Gedichten. Sich selbst, nicht einen Karrieretraum. Zwischen den Zeilen lebte er die Facetten seines Ichs aus, die er sonst niemandem zeigen konnte oder wollte. Lesen wir seine Werke, sehen wir dort ausgebreitet alles, was ihn ausmachte, seine gesamte Identität. Ich habe mehrfach erklärt, dass das Schreiben sein Ventil war, aber ich möchte es noch einmal ganz deutlich sagen: Ohne die Schriftstellerei wäre Robert vielleicht nicht mal 30 Jahre alt geworden. Er war kein glücklicher Mensch, er war einsam und fühlte sich unverstanden. Depressionen waren seine ständigen Begleiter, die Schatten, die ihn sein Leben lang verfolgten. Hätte er seine Emotionen nicht in der Schriftstellerei verarbeiten können, hätte er sich möglicherweise bereits viel eher das Leben genommen. Deshalb ist es unmöglich, sein Werk isoliert zu betrachten. Diese Lehre nehme ich aus diesem Projekt mit: Literatur, die mehrere Jahrzehnte vor unserer Zeit entstand, verlangt nicht nur eine historische Einordnung, sondern auch eine persönliche.

Aus meiner Perspektive der Buchbloggerin leitet sich daraus eine weitere Lektion ab. Gewisse Autor_innen können nicht in einer einfachen Rezension abgefertigt werden. Je größer ihr Einfluss auf die Literatur, auf Genres und Stilistik, desto entscheidender ist es, das Gesamtbild ihres Lebens und Schaffens differenziert zu beleuchten. Ich habe gelernt, dass ich darauf eingestellt sein muss, diesen Schriftsteller_innen auf meinem Blog mehr Raum und Zeit zu widmen, als ich ihren (modernen) Kolleg_innen zugestehe. Durch meine Erfahrungen während des Entstehungsprozesses von „Robert E. Howard & Conan der Barbar“ kann ich nun abschätzen, bei welchen Autor_innen mir umfangreiche Recherchen bevorstehen und wie zeitintensiv sich diese gestalten könnten. Ich ahne zum Beispiel schon jetzt, dass die Lektüre von H.P. Lovecraft und Isaac Asimov ähnliche Auswirkungen haben wird. Diese gesteigerte Planbarkeit ist für mich als Bloggerin nicht unerheblich, denn mehr als einmal im Jahr kann ich mir solche Mammutprojekte wirklich nicht vorstellen. Lovecraft und Asimov werden dementsprechend noch etwas auf ihren großen Auftritt warten müssen. 😉 Nichtsdestotrotz habe ich noch einmal begriffen, dass ich ein echter Literaturnerd bin und immense Freude daran habe, mich intensiv mit einem literarischen Thema zu beschäftigen und all die Informationen, die ich sammele, aufzubereiten. Für diejenigen unter euch, die meinen Blog schon länger verfolgen, ist das wahrscheinlich keine Überraschung mehr, aber ich feiere literarische Themen wirklich enorm und ich liebe es, mein Wissen zu teilen. Das heißt, ja, es wird weitere dieser Projekte geben. Es ist unheimlich viel Arbeit, doch die Begeisterung, die ich während dieser Arbeit verspüre, entlohnt mich dafür.

Konkret auf „Robert E. Howard & Conan der Barbar“ bezogen habe ich außerdem gelernt, dass der Abgleich verschiedener Quellen wirklich frustrierend sein kann, worauf ich zukünftig ebenfalls vorbereitet sein muss. Viele der faktischen Details zum Leben von Robert E. Howard und der Entwicklung von Conan werden in unterschiedlichen Quellen abweichend angegeben und es war oft schwierig, diese Diskrepanzen korrekt zu deuten und zu berücksichtigen. Ich raufte mir mehrfach die Haare, weil ich den Eindruck gewann, dass es zu jedem Punkt mindestens fünf Meinungen gibt. An dieser Stelle möchte ich den lieben Menschen, die sich bei Wikipedia (sowohl in Deutsch als auch in Englisch) engagieren, nahelegen, die zahlreichen Artikel zu Robert und Conan mit dem aktuellen Stand der Howard-Forschung abzugleichen und sie um Quellenangaben zu erweitern. Nicht alle dort verzeichneten Angaben sind belegt und das hat mir die Arbeit häufig erschwert. Obwohl Wikipedia einen guten oberflächlichen Eindruck des Themas vermittelt, stellen die Artikel nicht die verlässliche, zentrale Faktensammlung dar, die ich mir gewünscht hätte. Mir ist klar, dass wir über viele Aspekte in Roberts Biografie lediglich spekulieren können, doch ich hätte es hilfreich gefunden, wenn Schlussfolgerungen, Vermutungen und Interpretationen eben auch als solche gekennzeichnet sind. Ohne zusätzliche Quellen hätte ich vieles einfach hingenommen, ohne auch nur zu ahnen, dass alternative Ansätze existieren. Darüber hinaus empfinde ich die Flut an Artikeln, die Wikipedia zu Robert und Conan bietet, unübersichtlich und chaotisch. Wäre mein Forscherdrang weniger ausgeprägt, hätte mich die pure Masse sicher entmutigt. Man könnte Tage damit zubringen, sich von Artikel zu Artikel weiterleiten zu lassen. Diese Ecke der Enzyklopädie sollte dringend überarbeitet und entschlackt werden. Persönlich würde ich damit beginnen, Roberts Bibliografie nicht länger alphabetisch, sondern chronologisch nach Entstehung zu sortieren. Ich fand es absolut nervtötend, dass ich aus der tabellarischen Auflistung nicht mühelos ablesen konnte, in welcher Reihenfolge Robert seine Geschichten schrieb.

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Porträtfotografie von Robert E. Howard von 1934, als gemeinfrei gekennzeichnet, Details auf Wikimedia Commons

Es war wohl unvermeidlich, dass mich dieses Projekt in einen leidenschaftlichen Robert E. Howard – Fan verwandelte. Ich habe es zuerst gar nicht bemerkt, doch je mehr ich über ihn erfuhr, desto faszinierter war ich von ihm. Meine ursprüngliche Intention änderte sich. Anfangs wollte ich nur darüber aufklären, dass der popkulturelle Conan und der literarische Conan keineswegs ein und dasselbe sind. Irgendwann erkannte ich, dass es mir nicht mehr primär um Conan ging. Es ging mir darum, Robert den Respekt zu verschaffen, den er verdient. Ich denke, mich beeindruckt, wie hart und diszipliniert er gegen alle Widerstände kämpfte, um sich seinen Platz in der Welt zu schaffen. Für ihn war niemals irgendetwas einfach, aber das hielt ihn nicht auf. Er war beharrlich und unbeugsam, kreativ und fantasievoll, ein Künstler gleichermaßen wie ein Krieger. Ich bewundere das. Ich bewundere, dass er Sensibilität, Intellekt und Stärke verband und darin eine scheinbar bodenlose Quelle der Inspiration fand. Er war weiß Gott nicht fehlerlos und sollte nicht idealisiert werden, seine außergewöhnliche kreative Energie lässt sich jedoch nicht leugnen. Er revolutionierte die Pulp-Literatur, weil er Experimente wagte, für die es zu seiner Zeit keine Vorbilder gab. Seine Motive, vor allem der Konflikt zwischen Zivilisation und Barbarei, wurden seit seinem Tod zahllose Male reproduziert. Seit ich mich mit ihm beschäftigt habe, sehe ich sie überall. Er legte die Weichen für die moderne Fantasy und da diese mein Lieblingsgenre ist, kann ich gar nicht anders, als Robert für seine damals unkonventionellen Ideen dankbar zu sein und zu ehren.

Obwohl dieses Blogprojekt mit diesem Beitrag die Zielgerade erreicht, bin ich demzufolge trotzdem noch längst nicht fertig mit Robert. Ich habe mir fest vorgenommen, eines Tages all seine Geschichten, die man käuflich erwerben kann, in meiner Bibliothek zu haben. Ich möchte König Kull, Solomon Kane, Bran Mak Morn, El Borak, Steve Costigan und Breckinridge Elkins kennenlernen. Conan war ein guter Einstieg, aber er reicht mir jetzt nicht mehr. Ich will mehr. Mehr Robert. Ich werde weiterhin literaturwissenschaftliche Analysen zu seinen Werken und vermutlich sogar noch einmal Conan lesen, denn ich möchte die Abenteuer des Cimmeriers einerseits in der Reihenfolge erleben, in der Robert sie schrieb und andererseits herausfinden, wie sich meine Wahrnehmung seiner Figur durch all das Wissen, das ich in den letzten Monaten anhäufte, verändert hat. Ich denke, Robert hat sich einen Ehrenplatz in meinem Bücherhirn erobert und wird mich während meiner gesamten zukünftigen Lesekarriere begleiten.

Ich hoffe, ihr hattet Spaß mit „Robert E. Howard & Conan der Barbar“ und konntet daraus einen echten Erkenntniszuwachs mitnehmen. Ich hoffe, ihr habt verstanden, dass Conan sehr viel mehr als Arnold Schwarzenegger im Lendenschurz ist. Und ich hoffe, ich konnte euch vermitteln, wie viel moderne Fantasy-Liebhaber_innen Robert E. Howard verdanken. Ich möchte dem Lieblingsmenschen und meinen Eltern danken, dass sie es in den vergangenen Monaten mit mir ausgehalten haben und mir immer die Gelegenheit gaben, über dieses Thema ausufernd zu schwadronieren. Ihre Bereitschaft, mir zuzuhören, half mir immens, um meine Gedanken zu ordnen und dadurch bessere Beiträge schreiben zu können. Ich weiß das sehr zu schätzen. Abschließend möchte ich aber auch euch danken, denn ohne euch wäre dieses Projekt lediglich ein Ruf ins Leere. Danke, dass ihr mir erlaubt, euch mit Wissen zu bombardieren und meine Leidenschaft hier auf dem Blog auszuleben. Ich wünsche mir, dass ich euer Interesse an und eure Neugier für Robert E. Howard und Conan den Barbaren wecken konnte. Denkt an mich, wenn ihr das erste Mal das hyborische Zeitalter betretet.

Alles Liebe,
Elli ❤️

Quellenverzeichnis (PDF)

Header-Bildquellen
Wild West – Landschaft: Seita/Shutterstock.com
Schwert im Felsen: KUCO/Shutterstock.com

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