Cover des Buches 'Last Time I Lied' von Riley Sager

Titel: „Last Time I Lied“

Autor_in: Riley Sager

Format: Taschenbuch

Seitenzahl: 350 Seiten

Verlag: Ebury

Sprache: Englisch

ISBN-13: 9781785038402

Genre: Krimi & Thriller

Ausgelesen: 13.06.2021

Bewertung: ★★★★☆

Trivia: Infos rund um Buch und Autor_in

  • „Final Girls“ war Riley Sagers Durchbruch. Der Thriller wurde ein Bestseller, der nicht nur von Leser_innen gefeiert wurde, sondern sogar vom Meister des Horrors höchstpersönlich, Stephen King, öffentlich Lob erhielt. Der Erfolg war sicherlich berauschend – er führte allerdings dazu, dass Riley Sager ziemlich unter Druck stand, diesen mit seinem zweiten Buch zu wiederholen, wenn nicht zu übertreffen.

  • Sager hatte nach „Final Girls“ keine weitere Geschichte in einer Schublade, die nur darauf wartete, ausgearbeitet und erzählt zu werden. Stattdessen suchte er aktiv nach Ideen. Er probierte verschiedene Ansätze aus, schrieb 50 Seiten und verwarf sie wieder. Filme inspirieren Sager, also schaute er viele an. Eines Tages fiel seine Wahl auf „Picnic at Hanging Rock“ – und plötzlich hatte er seine Idee.
  • „Picnic at Hanging Rock“ ist eine Verfilmung des gleichnamigen, 1967 erschienenen Buches von Joan Lindsey. Der Film von 1975 gilt als Meilenstein des australischen Kinos und wurde vor allem für die einzigartige, mystische Atmosphäre berühmt, die Regisseur Peter Weir heraufbeschwört. Er handelt von drei Mädchen und ihrer Lehrerin, die bei einem Ausflug zum Hanging Rock im australischen Bundesstaat Victoria spurlos in der Wildnis verschwinden.

  • Es war das Motiv der verschwundenen Mädchen, das Riley Sager zur Idee für seinen zweiten Roman inspirierte. Er kombinierte dieses Motiv mit einem Setting, mit dem er selbst eher negative Erinnerungen verband, das ihm als Hintergrund für das Verschwinden jedoch ideal erschien: ein Sommercamp. Aus diesen Grundpfeilern entstand „Last Time I Lied“, mit dem Sager tatsächlich bewies, dass sein Erfolg mit „Final Girls“ weder Zufall noch Laune der Natur war. „Last Time I Lied“ landete innerhalb der ersten Woche nach Erscheinen auf der Bestsellerliste der New York Times und wurde von Sagers Leser_innen begeistert verschlungen. Beste Vorzeichen für meine eigene Lektüre.

Deutsche Inhaltsangabe zu „Last Time I Lied“

Vor 15 Jahren verschwanden Emmas Freundinnen Vivian, Natalie und Allison spurlos aus ihrer Hütte in dem abgelegenen Sommercamp Nightingale. Seitdem lassen das Rätsel jener Nacht und die Schuldgefühle Emma nicht mehr los. In ihren Gemälden lässt sie die Mädchen ein ums andere Mal verschwinden – wie damals.

Heute ist Emma 28 Jahre alt und steht am Beginn einer herausragenden Karriere als Künstlerin. Als das Camp wiedereröffnet wird, erhält sie eine Einladung, dort als Kunstlehrerin zu unterrichten. Zögernd sagt Emma zu, an den Ort ihrer Albträume zurückzukehren. Kaum angekommen, wird sie erneut mit den Lügen ihrer Vergangenheit konfrontiert – und dann verschwinden wieder drei Mädchen. Um sie zu retten, muss Emma endlich herausfinden, was wirklich in jener Sommernacht geschah …

Vor 15 Jahren verschwanden Emmas Freundinnen Vivian, Natalie und Allison spurlos aus ihrer Hütte in dem abgelegenen Sommercamp Nightingale. Seitdem lassen das Rätsel jener Nacht und die Schuldgefühle Emma nicht mehr los. In ihren Gemälden lässt sie die Mädchen ein ums andere Mal verschwinden – wie damals.

Heute ist Emma 28 Jahre alt und steht am Beginn einer herausragenden Karriere als Künstlerin. Als das Camp wiedereröffnet wird, erhält sie eine Einladung, dort als Kunstlehrerin zu unterrichten. Zögernd sagt Emma zu, an den Ort ihrer Albträume zurückzukehren. Kaum angekommen, wird sie erneut mit den Lügen ihrer Vergangenheit konfrontiert – und dann verschwinden wieder drei Mädchen. Um sie zu retten, muss Emma endlich herausfinden, was wirklich in jener Sommernacht geschah …

Buchnotizen: Stärken, Schwächen und Reflexionen

  • Setting & Atmosphäre:

    „Last Time I Lied“ beginnt wie ein typischer Horrorfilm. Die Protagonistin Emma wird eingeladen, bei der Wiedereröffnung von Camp Nightingale dabei zu sein. Wer denkt da nicht sofort an die Filmreihe „Freitag der 13.“, in der Jason Voorhees in seiner ikonischen Maske sein Unheil treibt?

    Ähnlich wie das Sommercamp der Filmreihe hat auch Camp Nightingale eine düstere Vorgeschichte. Etwas Schreckliches ist dort vorgefallen. Als Horrorfan war ich sofort Feuer und Flamme für dieses Setting und sog die dichte Atmosphäre erwartungsvoll auf. Riley Sager wäre aber nicht Riley Sager, wenn er lediglich die Handlung der Filme reproduzieren würde. Wie schon „Final Girls“ entwickelt sich „Last Time I Lied“ völlig anders, als man anhand der Parallelen zu „Freitag der 13.“ annehmen könnte, und schlägt eine komplett unerwartete Richtung ein. Mich hat er damit voll und ganz überzeugt.

  • Spannung & Rätselcharakter:

    Ich fand „Last Time I Lied“ sehr spannend und musste mich bremsen, um es nicht direkt innerhalb einer Nacht zu verschlingen. Hin und wieder bin ich für eine schlaflose Lesenacht zu haben, aber mit diesem Buch wollte ich mir nicht selbst den Spaß nehmen, über den Fall zu grübeln. Am besten gefiel mir, dass Riley Sager die volle Wahrheit über die Ereignisse in Camp Nightingale wirklich erst ganz am Schluss verrät. Dadurch bleibt der Spannungsbogen bis zur letzten Seite kontinuierlich hoch und fällt nicht verfrüht ab.

    Für mich gibt es in Thrillern kaum etwas Schlimmeres, als zu früh alles zu erfahren und mich zu fragen, warum ich die letzten Abschnitte, Seiten oder gar Kapitel noch lesen soll. Sager hingegen verteilt Hinweise und Informationen sehr geschickt, sodass „Last Time I Lied“ nie langweilig wurde und mich die Handlung während der gesamten Lektüre aktiv beschäftigte.

    Erneut gelang es dem Autor, mich kräftig an der Nase herumzuführen – ich rätselte leidenschaftlich, entwickelte felsenfeste Überzeugungen und stellte Theorien auf, die sich letztendlich alle als Unsinn erwiesen. Ebenso beobachtete ich mich selbst bei munter wechselnden Verdächtigungen der Figuren. Auf dem Weg zur finalen Auflösung durfte ich jede Menge ihrer persönlichen Geheimnisse aufdecken. Dieser Aspekt erinnerte mich an „Pretty Little Liars“ und gestaltete die Lektüre noch etwas pikanter, was enorm zu meinem Lesespaß beitrug.

    Sager lud mich dazu ein, schockiert große Augen zu machen und meine Fantasie in wilde Bahnen zu lenken. Wirklich allen unterstellte ich irgendwann mal, sich schuldig gemacht zu haben. Natürlich lag ich auch damit daneben. Es ist bemerkenswert, wie unvorhersehbar „Last Time I Lied“ ist. Ich war beim Lesen sowas von ahnungslos, was vor sich geht, nachträglich muss ich darüber schmunzeln.

  • Figuren & Dynamiken:

    Etwas, das mir an „Last Time I Lied“ sehr positiv auffiel, ist die eindeutige Konzentration auf weibliche Charaktere. Die Vielfalt verschiedener Dynamiken zwischen Mädchen und Frauen ist ein essenzieller Bestandteil der Geschichte. Meinem Empfinden nach zeichnet Riley Sager hier ein realistisches und glaubwürdiges Bild. Ich habe mich als weibliche Leserin auf jeden Fall gesehen und repräsentiert gefühlt.

    Mit der Protagonistin Emma konnte ich mich hingegen nur teilweise identifizieren. Sie plagen enorme Schuldgefühle für das, was 15 Jahre zuvor in Camp Nightingale passiert ist. Man könnte wahrscheinlich sogar davon sprechen, dass ihre drei Freundinnen sie bis in die Gegenwart heimsuchen, denn in ihren Gemälden lässt sie sie wieder und wieder verschwinden, was ich äußerst creepy fand. Ich sehe voll und ganz ein, dass Emmas Schuldgefühle einerseits ein wichtiger Katalysator für ihre Rückkehr ins Camp und somit für die Geschichte und andererseits auch psychologisch plausibel sind. Aber ganz ehrlich, mir gingen sie gehörig auf die Nerven.

    Ihre unumstößliche Überzeugung, verantwortlich zu sein, erschien mir dann doch sehr unreif, irrational und unaufgearbeitet. Nach so vielen Jahren der Therapie müsste ihr zumindest rational klar sein, dass sie keine Schuld trifft, selbst wenn sie sich zu sehr schämte, es je offen anzusprechen. Als Vivian, Natalie und Allison verschwanden, war sie schließlich erst 13 Jahre alt. Sie war noch ein Kind. Dass sie selbst als Erwachsene nicht einsieht, dass ihre Handlungen damals nicht entscheidend waren, fuchste mich gewaltig, weil sie auf mich dadurch äußerst egozentrisch wirkte. Dieser Reibungspunkt beeinträchtigte meine Leseerfahrung mit „Last Time I Lied“ jedoch nicht, ich fand das Buch deshalb nicht weniger einnehmend.

  • Wahrheit & Wahrnehmung:

    Die Wahrnehmung bzw. die Subjektivität von Wahrheit ist meiner Meinung nach das zentrale Motiv in „Last Time I Lied“. Emma glaubt während der Geschichte wiederholt, die Wahrheit zu kennen, und muss ein ums andere Mal einsehen, dass sie sich irrt. Ich fand, dass die fast philosophische Frage, was Wahrheit ist und wie gut man eine Person jemals kennen kann, Riley Sagers Thriller unerwartet Tiefe verleiht und die Lektüre auch über das reine Spannungslevel hinaus fesselnd gestaltet.

Leseempfehlung?

Ohne Vorbehalte, ja. Solltet ihr euch sorgen, ob „Last Time I Lied“ aufgrund der groben Ähnlichkeiten mit der „Freitag der 13.“-Filmreihe vielleicht zu heftig für euch ausfallen könnte, kann ich euch beruhigen. Es handelt es sich eindeutig um einen Thriller, nicht um einen Slasher-Horrorroman. Riley Sager bildet so gut wie keine physische Gewalt ab, sondern spielt vielmehr mit der Psyche seiner Figuren und Leser_innen.

Der Motor der Geschichte ist die Suche nach Antworten auf ungeklärte Fragen, nicht die atemlose Flucht vor einem brutalen Mörder wie Jason Voorhees. Für mich war die Lektüre daher nicht gruselig, sondern einfach aufregend und spannend. Zugegeben, ich fand „Last Time I Lied” nicht ganz so gut wie „Final Girls“, weil es bei mir nicht dasselbe Gefühl einer Tour de Force auslöste. Aber ich habe das Buch dennoch als einen mitreißenden Thriller erlebt, der durch das Camp-Setting besonders gut in den Sommer passt. Als angenehmen Nervenkitzel für heiße Tage kann ich es euch guten Gewissens empfehlen.

Für Fans von …

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