Cover des Buches 'One of Us is Lying' von Karen M. McManus

Titel: „One of Us is Lying“

Reihe: One of Us is Lying #1

Autor_in: Karen McManus

Format: Taschenbuch

Seitenzahl: 358 Seiten

Verlag: Delacorte Press

Sprache: Englisch

ISBN-13: 9781524764722

Genre: Krimi > Young Adult

Ausgelesen: 08.03.2023

Bewertung: ★★★★☆

Trivia: Infos rund um Buch und Autor_in

  • Die 1969 geborene US-Amerikanerin Karen McManus wollte seit ihrem achten Lebensjahr Autorin werden. Bis in die High-School hinein verfasste sie regelmäßig Geschichten, verlor dann jedoch die Motivation, weil ihr das Schreiben schwierig sowie einsam erschien und sie die Schriftstellerei nicht als „richtigen“ Beruf betrachtete, mit dem sie ihren Lebensunterhalt bestreiten konnte.

  • Es vergingen Jahrzehnte, in denen sie gar nicht schrieb. Erst 2014, als sie etwa 45 Jahre alt war, wurde ihre Leidenschaft wiederbelebt. Ausschlaggebend war ihre Lektüre von „The Hunger Games“ von Suzanne Collins, das sie auf einer Geschäftsreise am Flughafen kaufte, weil sie kein Buch dabeihatte. Collins‘ Bestseller inspirierte sie dazu, selbst wieder schreiben zu wollen.

  • Die Idee für ihren 2017 erschienenen Debütroman „One of Us is Lying“, mit dem sie direkt ihren Durchbruch feierte, überfiel sie, als sie in ihrem Auto den Song „Don’t You (Forget About Me)“ der Band Simple Minds im Radio hörte. Der Song ist Teil des Soundtracks des Films „The Breakfast Club“.

  • McManus begann, über das Konzept des Films von 1985 nachzudenken und glaubte, dass es Spaß machen würde, es zu modernisieren – aber mit einer düsteren Wendung. „The Breakfast Club“ mit Mord. Diese Phrase ließ ihr keine Ruhe und sie begann noch am selben Abend, „One of Us is Lying“ zu schreiben. Der Rest ist, wie man so schön sagt, Geschichte.

Deutsche Inhaltsangabe zu „One of Us is Lying“

An einem Montagnachmittag betreten fünf Schüler_innen der Bayview High ein Klassenzimmer zum Nachsitzen. Normalerweise haben Addy, Bronwyn, Cooper, Nate und Simon nichts miteinander zu tun – und schon gar nichts gemeinsam. Doch wenig später teilen sie mehr, als sie je für möglich hielten. Nur vier von ihnen verlassen den Raum lebend. Mitten in der Stunde bricht Simon zusammen und wird kurz darauf für tot erklärt.

Zuerst halten alle seinen Tod für ein tragisches Unglück. Bis Ermittler_innen feststellen, dass es kein Unfall war und Addy, Bronwyn, Cooper und Nate plötzlich unter Mordverdacht stehen. Sie alle hatten ein Motiv, Simon zu töten, denn er hatte geplant, noch am nächsten Tag in seiner App „About That“ ihre dunkelsten Geheimnisse zu enthüllen. Seine Drohung, diese pikanten Wahrheiten zu veröffentlichen, könnte der Schlüssel zu seinem Tod sein. Alle vier beteuern, nichts mit Simons Tod zu tun zu haben. Doch können sie wirklich unschuldig sein? Das Klassenzimmer war verschlossen. Niemand kam hinein oder hinaus – außer den fünf Schüler_innen.

An einem Montagnachmittag betreten fünf Schüler_innen der Bayview High ein Klassenzimmer zum Nachsitzen. Normalerweise haben Addy, Bronwyn, Cooper, Nate und Simon nichts miteinander zu tun – und schon gar nichts gemeinsam. Doch wenig später teilen sie mehr, als sie je für möglich hielten. Nur vier von ihnen verlassen den Raum lebend. Mitten in der Stunde bricht Simon zusammen und wird kurz darauf für tot erklärt.

Zuerst halten alle seinen Tod für ein tragisches Unglück. Bis Ermittler_innen feststellen, dass es kein Unfall war und Addy, Bronwyn, Cooper und Nate plötzlich unter Mordverdacht stehen. Sie alle hatten ein Motiv, Simon zu töten, denn er hatte geplant, noch am nächsten Tag in seiner App „About That“ ihre dunkelsten Geheimnisse zu enthüllen. Seine Drohung, diese pikanten Wahrheiten zu veröffentlichen, könnte der Schlüssel zu seinem Tod sein. Alle vier beteuern, nichts mit Simons Tod zu tun zu haben. Doch können sie wirklich unschuldig sein? Das Klassenzimmer war verschlossen. Niemand kam hinein oder hinaus – außer den fünf Schüler_innen.

Buchnotizen: Stärken, Schwächen und Reflexionen

  • Lesespaß pur:

    Oh mein Gott, mir hat „One of Us is Lying” so viel Spaß gemacht! Es war, als hätten Cluedo und „Pretty Little Liars“ ein unwahrscheinliches, perfektes Baby gezeugt – eine äußerst fesselnde Mischung aus Kriminalroman und Teenager-Drama. Das Buch war genau das, was ich mir davon erhofft hatte und zusätzlich auch exakt die Lektüre, die ich zu diesem Zeitpunkt suchte.

  • Tatort und Dramaturgie:

    Ich liebe Kriminalfälle, in denen der Tatort räumlich begrenzt ist. In „One of Us is Lying“ geschieht die Tat in einem verschlossenen Klassenzimmer, wodurch das Verbrechen erst einmal unmöglich erscheint. Das Rätsel, wie Simon dennoch den Tod finden konnte und wer dafür verantwortlich ist, elektrisierte mich bis in meine Haarspitzen. Ich war sofort im Ermittlungsmodus, denn Karen McManus gestaltet die Dramaturgie dieses außergewöhnlichen Falls dermaßen spannend, dass ich gar nicht anders konnte als mitzufiebern. Ich habe es wahnsinnig genossen, wilde Verdächtigungen anzustellen und Stück für Stück die Geheimnisse der Hauptfiguren aufzudecken – Hauptfiguren, die aufgrund dieser Geheimnisse alle ein Mordmotiv gehabt hätten.

  • Dekonstruktion der Teenager-Klischees der frühen 2000er Jahre:

    Als ich in die Pubertät kam, erlebten die berühmt-berüchtigten Teenie-Filme gerade den Gipfel ihrer Popularität. Zu Beginn der 2000er Jahre kam man um Streifen wie „American Pie“, „Eine wie keine“, „10 Dinge, die ich an dir hasse“ und viele andere einfach nicht herum. In „One of Us is Lying“ spielt Karen McManus ganz bewusst mit den klischeebehafteten Teenager-Stereotypen, die wir in diesen Filmen zu sehen bekamen. In ihren jeweiligen Perspektivkapiteln treffen wir das akademische Wunderkind, den Bad Boy, den Spitzensportler und die Ballkönigin/Cheerleaderin. Bei mir löste dieser Cast unmittelbar Nostalgie aus, ich war jedoch skeptisch, ob meine Emotion für eine erfolgreiche Leseerfahrung ausreichen würde.

    Ich hätte mir keine Sorgen machen müssen. Karen McManus verwendet die Stereotypen lediglich als Ausgangspunkt, um diese im weiteren Verlauf gezielt zu dekonstruieren. Primär geht es in „One of Us is Lying“ nämlich nicht um eine Mordermittlung, sondern um Identität. Simons Tod ist ein Katalysator, durch den die Hauptfiguren gezwungen werden, sich mit den Rollen auseinanderzusetzen, die sie nach außen verkörpern. Ich fand diesen Aspekt brillant ein- und umgesetzt, der „One of Us is Lying“ davor bewahrte, zu einem seichten, substanzlosen oder durch und durch banalen Whodunit zu werden.

    Stattdessen entpuppte sich der Trilogieauftakt als höchst faszinierende, wenn auch überspitzte Untersuchung des sozialen Geflechts unter Teenagern. Ich war positiv überrascht von dieser Entwicklung und halte sie für die bedeutendste Stärke des Romans.

  • Mobbing im digitalen Zeitalter:

    Simons App „About That“ ist besonders widerliches, gefährliches Werkzeug für systematisches Mobbing. Schon bei der ersten Erklärung des Konzepts hinter der App schoss mir das durch den Kopf. In „One of Us is Lying“ sehen wir, wie stark Simons gnadenlose Bloßstellung intimer Geheimnisse die Figuren in ihrem Verhalten beeinflusst. Kinder und Teenager können ohnehin erbarmungslos und grausam zueinander sein, aber Mobbing in diesem Maße zu professionalisieren, zeugt definitiv von diabolischer Kreativität.

    Dabei ist es vollkommen unerheblich, dass Simon niemals Unwahrheiten verbreitete. Die Wahrheit reicht aus, um Existenzen zu zerstören. Er wusste das. Er wusste, dass sich seine Mitschüler_innen gierig auf jeden Krümel Klatsch und Tratsch stürzen und die betroffene Person fröhlich zerfleischen. Obwohl ich gerade am Ende von „One of Us is Lying“ Mitgefühl für Simon entwickelte, blieb das aktive Betreiben von „About That“ für mich dermaßen verdammenswert, dass ich ihm das nie verzeihen konnte.

    Nichtsdestotrotz muss ich zugeben, dass ich nicht schwören kann, dass ich sie als Schülerin der Bayview High nicht benutzt hätte. Heute, als Erwachsene, wäre ich vermutlich stark genug, mich nicht zu beteiligen, aber als Teenager? Wahrscheinlich nicht. Darum bin ich sehr froh, dass „About That“ fiktiv ist. Stelle ich mir vor, es gäbe diese App wirklich, packt mich das kalte Grausen.

  • Auflösung und Fortsetzung:

    Leute, die Auflösung von „One of Us is Lying“ hat es in sich! Ich fand die finale Wendung in all ihrer Tragik und perfiden Bösartigkeit absolut genial. Auch, weil ich es schon ein bisschen geahnt hatte – es ist eben immer schön, richtig zu liegen. Für mich war es der perfekte Abschluss einer rundum gelungenen Lektüre und ich kann es gar nicht erwarten, den zweiten Band „One of Us is Next“ zu lesen! Schließlich wird es darin um eine tödliche Variante von „Wahrheit oder Pflicht“ gehen – und dieses Spiel war noch nie unschuldig.

Leseempfehlung?

Ein enthusiastisches Ja! Natürlich ist „One of Us is Lying” kein lebensveränderndes Meisterwerk, aber es ist ein mitreißender, unterhaltsamer Kriminalroman, mit dem Karen McManus sozialkritischen Scharfsinn beweist und auf die Gefahren von Mobbing aufmerksam macht. Wenn ihr ein intelligentes Teenager-Drama sucht, das stereotype Charaktere aufbricht und eine ordentliche Prise mysteriöses Verbrechen enthält, seid ihr mit diesem Trilogieauftakt gut beraten!

Für Fans von …

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