Cover des Buches 'Sanchez: A Christmas Carol' von Anonymus

Titel: „Sanchez: A Christmas Carol“

Reihe: Bourbon Kid #5,5

Autor_in: Anonymus

Format: Taschenbuch

Seitenzahl: 100 Seiten

Verlag: Orbit

Sprache: Englisch

ISBN-13: 9780993257728

Genre: Fantasy > Urban Fantasy

Ausgelesen: 01.12.2022

Bewertung: ★★★★☆

Trivia: Infos rund um Buch und Autor_in

  • Die Novelle „Eine Weihnachtsgeschichte“ von Charles Dickens (im Original: „A Christmas Carol“) aus dem Jahre 1843 ist eine der am häufigsten adaptierten Erzählungen der Literaturgeschichte.

  • Präzise Angaben dazu, wie viele Adaptionen es gibt, sind unmöglich. Wir können davon ausgehen, dass tausende Versionen von Dickens‘ weihnachtlicher Geistergeschichte quer durch alle Medien existieren, vom Hörspiel über die Hollywood-Verfilmung bis zur Schulaufführung – und das überall auf der Welt.

  • Man kann argumentieren, dass es sich um den Archetyp einer Geschichte handelt. Das Original ist eine literarische Blaupause, die beliebig angepasst, erweitert, variiert und dekonstruiert werden kann.

  • Eine dieser Dekonstruktionen ist „Sanchez: A Christmas Carol“ von Anonymus. Der unbekannte Autor (ich bleibe dabei, es ist ein Mann) gestaltet die ursprüngliche Erzählung radikal um, bis ein parodistischer Gegenentwurf entsteht, der seine trashige „Bourbon Kid“-Reihe um eine weihnachtliche Note ergänzt.

Deutsche Inhaltsangabe zu „Sanchez: A Christmas Carol“

Seit der Bourbon Kid in Santa Mondega mit Werwölfen, Vampiren und dieser verdammten Mumie aufräumte, ist es auf den Straßen der Stadt ruhig geworden. Barkeeper Sanchez könnte beinahe ein beschauliches Leben führen – wenn sich das Übernatürliche um seinen eigenen Kram kümmern und sich nicht ungefragt einmischen würde.

Kurz vor Weihnachten reißt ihn die Mystische Lady kettenrasselnd aus dem Schlaf. Dass sie mausetot ist, scheint sie nicht weiter zu stören. Sie warnt ihn, dass er seine Freundin Flake verlieren könnte, wenn er sich nicht ändert. In den nächsten 24 Stunden wird er von drei Geistern heimgesucht, die ihm helfen sollen, einen neuen Weg einzuschlagen.

Frechheit. Was glauben diese Geister, wer sie sind? Trotzdem überwindet Sanchez sich, auf Flakes Arbeitsweihnachtsfeier im Waxwork Tower vorbeizuschauen, wie die Mystische Lady es ihm geraten hat. Doch kaum angekommen, wird ihm klar: Diese Nacht wird alles andere als besinnlich.

Seit der Bourbon Kid in Santa Mondega mit Werwölfen, Vampiren und dieser verdammten Mumie aufräumte, ist es auf den Straßen der Stadt ruhig geworden. Barkeeper Sanchez könnte beinahe ein beschauliches Leben führen – wenn sich das Übernatürliche um seinen eigenen Kram kümmern und sich nicht ungefragt einmischen würde.

Kurz vor Weihnachten reißt ihn die Mystische Lady kettenrasselnd aus dem Schlaf. Dass sie mausetot ist, scheint sie nicht weiter zu stören. Sie warnt ihn, dass er seine Freundin Flake verlieren könnte, wenn er sich nicht ändert. In den nächsten 24 Stunden wird er von drei Geistern heimgesucht, die ihm helfen sollen, einen neuen Weg einzuschlagen.

Frechheit. Was glauben diese Geister, wer sie sind? Trotzdem überwindet Sanchez sich, auf Flakes Arbeitsweihnachtsfeier im Waxwork Tower vorbeizuschauen, wie die Mystische Lady es ihm geraten hat. Doch kaum angekommen, wird ihm klar: Diese Nacht wird alles andere als besinnlich.

Buchnotizen: Stärken, Schwächen und Reflexionen

  • Völlig abgedrehte Mischung:

    „Sanchez: A Christmas Carol“ ist ein spaßiger, wilder und komplett chaotischer Mix aus Charles Dickens‘ „Eine Weihnachtsgeschichte“ und dem Actionfilm „Stirb langsam“ mit Bruce Willis in der Hauptrolle. Die Novelle ist genauso trashig, unangemessen und absurd, wie ich es von Anonymus erwartet habe, und hat mir unverschämt große Freude bereitet.

  • Weihnachtsstimmung?

    Fehlanzeige. Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber für mich ist das Weihnachtlichste an „Stirb langsam“ die Saison, in der der Film spielt. Festliche Weihnachtsstimmung hat der Actionstreifen bei mir nie geweckt. Ähnlich verhält es sich mit „Sanchez: A Christmas Carol“. Eine besinnliche Atmosphäre ist sicher das letzte, was Anonymus mit dieser Novelle vermitteln möchte. Aber irgendwie ist es gerade die entschieden anti-weihnachtliche Ausstrahlung der Geschichte, durch die sie wunderbar in die Vorweihnachtszeit passt – als eine Art Gegenlektüre, ein Buch, mit dem sich der Stress der Feiertage vergessen und heiter in die Luft jagen lässt.

  • Analyse überflüssig:

    So sehr ich mich bemühe, bei Büchern stets unter die Haube zu schauen – „Sanchez: A Christmas Carol“ braucht keine Analyse. Die Novelle muss nicht interpretiert oder tiefgründig hinterfragt werden. Es ist eine Geschichte, die einfach den Spaß am Lesen zelebriert. Und es ist in Ordnung, dass sie nicht mehr will. Wahrscheinlich hat auch das Schreiben unfassbar viel Laune gemacht.

  • Funktioniert am besten mit Vorwissen:

    Ich glaube, dass Leser_innen den Protagonisten Sanchez bereits kennen müssen, um diese Novelle wirklich genießen zu können. Ich befürchte, man versteht sonst nicht, wieso Anonymus sein Publikum Zeit mit einem selbstsüchtigen Widerling verbringen lässt. Sanchez muss man erst mögen lernen und dafür braucht es die Hauptreihe. Zudem verpuffen ohne Vorwissen natürlich diverse Anspielungen, ebenso wie die Cameo-Auftritte bekannter Figuren. Beides ist nicht hinderlich, aber einfach schade. Daher empfehle ich, „Sanchez: A Christmas Carol“ nicht als Einstiegswerk zu lesen, sondern mit der „Bourbon Kid“-Reihe anzufangen.

  • Ekelpaket mit Unterhaltungswert:

    Wie gesagt, Sanchez ist keine Figur, die man auf Anhieb ins Herz schließt. Er ist egoistisch, kleinlich, nachtragend, feige, gierig und allerhöchstens straßenschlau. Er würde sich nie offen mit dir streiten, aber er würde dir ohne zu zögern ungesehen in dein Essen spucken, wenn er sich beleidigt fühlt. Oder schlimmeres. Warum also mag ich ihn überhaupt?

    Ich finde diese Frage tatsächlich ziemlich schwer zu beantworten. Obwohl ich während der gesamten Lektüre von „Sanchez: A Christmas Carol“ darüber gegrübelt habe, bin ich mir nicht sicher. Ich vermute, dass Sanchez eine ganz spezielle Form von infantiler Asozialität verkörpert, die das Kind in mir anspricht. Er erkennt nicht, dass sein Verhalten inakzeptabel und nervig ist, dafür fehlt ihm die intellektuelle Reife. Dadurch begreift er auch nicht, warum die allermeisten seiner Mitmenschen negativ auf ihn reagieren. Er nimmt nur wahr, wie ungerecht und gemein alle zu ihm sind. Da er sich nicht anders zu helfen weiß, versucht er, Gerechtigkeit durch heimliche, kindische Vergeltungsmaßnahmen zu erlangen. Irgendwie kann ich das nachvollziehen.

    Versetze ich mich in Sanchez, führe ich mir vor Augen, wie er die Welt sehen muss, kann ich verstehen, wieso er sich so benimmt – und ich kann damit sympathisieren, denn ich kann nicht leugnen, dass es in meinem Leben durchaus Situationen gab, in denen ich es anderen gern in Sanchez-Manier heimgezahlt hätte. Für mich ist Sanchez die fleischgewordene Rache des metaphorischen kleinen Mannes. Er ist nicht nett, freundlich oder höflich, er verkörpert das Auge-um-Auge-Prinzip eines Kindergartens. Manchmal wäre es schön, wenn die Welt wirklich so simpel wäre.

Leseempfehlung?

Habt ihr die „Bourbon Kid“-Reihe gelesen und mochtet den absurden, pulpliterarischen Trash, den Anonymus da zusammenkleistert – dann werdet ihr mit „Sanchez: A Christmas Carol“ ebenfalls viel Freude haben. Ich finde, Anonymus hat aus den beiden Weihnachtsklassikern „Eine Weihnachtsgeschichte“ und „Stirb langsam“ eine vollkommen einzigartige und extrem unterhaltsame Novelle erschaffen, die sich nahtlos in das Universum seiner Hauptreihe einfügt und einfach Spaß macht.

Treiben euch Geschenkemarathon, Familienessen und „Last Christmas“-Dauerschleife in den Wahnsinn? Dann lest „Sanchez: A Christmas Carol“. Der kurze Ausflug nach Santa Mondega ist eine tolle Lektüre, um Weihnachtsfrust nach Belieben vorzubeugen, abzubauen oder voll auszukosten.

Frohe Weihnachten euch allen!

Für Fans von …

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