'Ink and Bone' von Rachel Caine

Titel: „Ink and Bone“

Reihe: The Great Library #1

Autor_in: Rachel Caine

Format: Taschenbuch

Seitenzahl: 410 Seiten

Verlag: Allison & Busby

Sprache: Englisch

ISBN-13: 9780749017224

Genre: Fantasy > Urban Fantasy > Young Adult

Ausgelesen: 12.01.2024

Bewertung: ★★★☆☆

Trivia: Infos rund um Buch und Autor_in

  • Die legendäre Bibliothek von Alexandria ist abgebrannt. Ein verheerender Brand zerstörte die gesamte Sammlung antiker Schriftrollen vollständig, wodurch einer der größten Wissensschätze der Menschheitsgeschichte für immer verlorenging. So oder so ähnlich hätte ich bisher das Schicksal der Bibliothek von Alexandria beschrieben. Dabei ist diese Geschichte höchstwahrscheinlich gar nicht wahr.

  • Bis heute ist die Brand-Theorie die am weitesten verbreitete Erklärung für den Niedergang der Bibliothek. Laut dieser war niemand geringeres als Julius Caesar dafür verantwortlich, dass die bedeutende Sammlung verbrannte. Er soll im Jahre 48 v. Chr. befohlen haben, den Hafen Alexandrias und die ankernden Schiffe in Brand zu setzen, um eine Belagerung einer ägyptischen Flotte zu brechen. Das Feuer soll sich unkontrolliert ausgebreitet und Teile der Stadt verschlungen haben, darunter auch die Bibliothek.

  • Tatsächlich existieren antike Quellen, die diese Ereignisse bestätigen, darunter Julius Caesars persönliche Aufzeichnungen. Unklar ist hingegen, wie groß das Ausmaß der Zerstörung war. Einige Quellen behaupten, dass die Hauptbibliothek betroffen war, andere sprechen davon, dass Lagerhäuser im Hafen niederbrannten, in denen Schriftrollen der Bibliothek lagerten. Caesar selbst erwähnte nicht, dass der Bestand der Bibliothek vollständig den Flammen zum Opfer fiel. Das wäre wohl zumindest eine Randnotiz wert.

  • Heutzutage ist sich die Geschichtsforschung weitgehend einig, dass dieser Brand nicht die Hauptursache für den Untergang der Bibliothek von Alexandria war. Man geht stattdessen davon aus, dass es sich um einen schleichenden Prozess handelte, der von Extremereignissen wie Bränden und Plünderungen beschleunigten wurde, dessen entscheidender Faktor aber pure Vernachlässigung war. Die Bibliothek von Alexandria ging nicht mit einem Knall unter, sondern starb einen langsamen, qualvollen Tod.

  • Aber was wäre passiert, wenn die Bibliothek die Jahrhunderte überlebt hätte? Wie hätte sie unsere Welt beeinflusst, wie sähe unsere Gegenwart aus? Welchen Stellenwert hätte Wissen in unserer Gesellschaft? Mit genau diesen Fragen beschäftigte sich die US-amerikanische Autorin Rachel Caine in „Ink and Bone“, dem Auftakt der „The Great Library“-Reihe.

Deutsche Inhaltsangabe zu „Ink and Bone“

Im Jahr 2025 ist die Große Bibliothek von Alexandria die einflussreichste Institution der Welt. Wissen ist Macht – und ein Privileg, das längst nicht allen Menschen zusteht. Der Zugang wird streng kontrolliert, der private Besitz von Büchern ist verboten. Wer die Gesetze der Bibliothek bricht, riskiert, als Ketzer_in verbrannt zu werden.

Jess Brightwell stammt aus einer Familie, die mit verbotenen Büchern ein gefährliches Geschäft betreibt. Auf Wunsch seines Vaters beginnt er als Spion eine Ausbildung bei der Großen Bibliothek. Jess glaubt an den Wert der Institution, er glaubt an das System – doch als er ihre dunklen Seiten entdeckt, geraten seine Loyalitäten ins Wanken. Kann Wissen ein Menschenleben aufwiegen?

Im Jahr 2025 ist die Große Bibliothek von Alexandria die einflussreichste Institution der Welt. Wissen ist Macht – und ein Privileg, das längst nicht allen Menschen zusteht. Der Zugang wird streng kontrolliert, der private Besitz von Büchern ist verboten. Wer die Gesetze der Bibliothek bricht, riskiert, als Ketzer_in verbrannt zu werden.

Jess Brightwell stammt aus einer Familie, die mit verbotenen Büchern ein gefährliches Geschäft betreibt. Auf Wunsch seines Vaters beginnt er als Spion eine Ausbildung bei der Großen Bibliothek. Jess glaubt an den Wert der Institution, er glaubt an das System – doch als er ihre dunklen Seiten entdeckt, geraten seine Loyalitäten ins Wanken. Kann Wissen ein Menschenleben aufwiegen?

Buchnotizen: Stärken, Schwächen und Reflexionen

  • Wissen ist Macht – buchstäblich:

    Ich finde die Idee, dass die legendäre Bibliothek von Alexandria nie unterging und sich zur mächtigsten Institution der Welt entwickelte, extrem aufregend. Alternative Geschichtsverläufe reizen mich oft, denn ich finde es spannend, zu durchdenken, wie sich bestimmte Abweichungen auf die Gegenwart auswirken könnten. Rachel Caines Szenario in „Ink and Bone“ fasziniert mich besonders, weil ihre Version der Bibliothek von Alexandria sehr widersprüchliche Emotionen in mir auslöst.

    Einerseits halte ich es für erstrebenswert, dass ein Hort des Wissens als globaler Akteur politischen sowie gesellschaftlichen Einfluss ausüben kann. Wir leben in einer Zeit, in der Fakten und wissenschaftlicher Konsens immer häufiger abgelehnt werden, daher wünscht sich ein idealistischer, etwas naiver Teil in mir mehr Macht für Einrichtungen wie Bibliotheken, Universitäten und Co.

    Andererseits lässt Rachel Caine nie Zweifel aufkommen, wozu „mehr Macht“ in ihrer alternativen Welt führte. Die Bibliothek von Alexandria ist in „Ink and Bone“ kein Wohltätigkeitsverein, sondern ein knallharter Überwachungsapparat, der ausschließlich für die eigenen undurchsichtigen Interessen agiert. Ich misstraute ihr von Anfang an. Je weiter die Geschichte voranschritt, desto deutlicher wurde, dass ich dazu auch allen Grund hatte.

    Am beängstigendsten fand ich, wie plausibel mir die Rolle der Bibliothek erschien. Im Rahmen von Caines Worldbuilding ist es nur folgerichtig, dass sie sich in eine Gefahr und Bedrohung verwandelte, die Menschen bewusst kontrolliert und unterdrückt. Gruselig.

  • Der Schlüssel zum Worldbuilding:

    Es ist bewundernswert, wie durchdacht das Worldbuilding von „Ink and Bone“ gestaltet ist. Nicht nur fand ich die alternative Realität des Reihenauftakts an sich äußerst anziehend, ich war auch davon beeindruckt, wie konsequent Rachel Caine logische Implikationen berücksichtigt, die mir nie eingefallen wären – obwohl sie viele nur am Rande erwähnt.

    Sie war mir eindeutig weit voraus, denn ich brauchte lange, um aus den einzelnen Elementen das Gesamtbild des Worldbuildings zusammenzusetzen. Ich bin normalerweise ziemlich gut darin, die Vogelperspektive einzunehmen und das große Ganze zu betrachten, aber mit „Ink and Bone“ ist es mir erst spät gelungen, Zusammenhänge und Abhängigkeiten zu durchschauen.

    Entscheidend dafür war ein Schlüsselmoment, den ich natürlich nicht verraten kann, ohne zu spoilern. Damit ihr euer Aha-Erlebnis jedoch etwas eher genießen könnt als ich, möchte ich euch folgenden Rat mitgeben: Fragt euch, wie Bücher in dieser Welt (re-)produziert werden.

  • Science-Fiction, Fantasy, Steampunk oder alles auf einmal?

    Strenggenommen ist „Ink and Bone“ höchstwahrscheinlich eher der Science-Fiction als der Fantasy zuzuordnen. Alles wird mehr oder weniger wissenschaftlich erklärt, niemand spricht jemals von Magie, es gibt keine fiktiven Spezies und in Relation zum Erscheinen des Buches spielt die Geschichte in der Zukunft (witzigerweise 2025). Angesichts des repressiven Zustands der Gesellschaft qualifiziert sich „Ink and Bone“ vielleicht sogar als Dystopie.

    Ich kategorisiere den Auftakt der „The Great Library“-Reihe dennoch als Fantasy, weil dieses Genre für mich die Atmosphäre der Geschichte besser widerspiegelt. Wer möchte, kann aber sicher auch für eine Einordnung als Steampunk argumentieren, denn entsprechende Elemente sind definitiv vorhanden, worüber ich mich wirklich freute. Ich mag die Vielseitigkeit solcher Hybriden.

    Überrascht war ich hingegen davon, dass die Reihe offenbar als Jugendliteratur gehandelt wird und „Ink and Bone“ 2018 für einen entsprechenden Literaturpreis nominiert wurde. Die Geschichte verfügt zwar über Facetten, die üblich in Young Adult-Romanen sind, doch da sich aus den Details des ausgeklügelten Worldbuildings einige ziemlich brutale Folgen für die Handlung ergeben, hatte es für mich eher einen erwachseneren Vibe. Keinesfalls nahm ich „Ink and Bone“ während der Lektüre als typisches YA-Allerlei wahr.

  • Emotional mittendrin statt nur dabei:

    Ich hatte keine Schwierigkeiten, mich emotional auf „Ink and Bone“ einzulassen und mich von Rachel Caine mitreißen zu lassen. Es gab Momente, in denen ich die Ungerechtigkeit der alternativen Realität verfluchte und beinahe in Tränen ausgebrochen wäre. Ebenso gab es Momente, in denen mein Puls vor Aufregung in die Höhe schoss und ich aus ganzem Herzen mit den Figuren bangte.

    Ich denke, dieses emotionale Investment ist mir vor allem deshalb gelungen, weil die großen Wendungen der Handlung für mich unvorhersehbar waren. Ich will damit nicht sagen, dass die Geschichte vollkommen unberechenbar wäre. Das wäre übertrieben. Aber die entscheidenden Entwicklungen konnte ich nicht voraussagen, was stark dazu beitrug, mein Interesse aufrechtzuerhalten. Ich habe das sehr genossen.

    Ein weiterer Faktor, der sich positiv auf meine emotionale Verbindlichkeit auswirkte, war die Nähe, die ich zum Protagonisten Jess aufbaute. Obwohl „Ink and Bone“ formal aus personaler Erzählperspektive geschrieben ist, fühlte ich mich Jess so verbunden, dass es mir meist vorkam, als folgte ich ihm in der Ich-Perspektive. Ich war regelrecht irritiert, wenn ich daran erinnert wurde, dass es keine Ich-Perspektive ist. Das war sogar für mich eine neue Erfahrung.

  • Der Ausbildungskontext bleibt zu vage:

    Da ich weiß, dass der Ausbildungskontext für viele von euch ein besonders beliebtes literarisches Motiv darstellt, möchte ich euch vorwarnen, dass dieser Part in „Ink and Bone“ meinem Empfinden nach zu kurz kommt. Das fand ich sehr schade und ist der Hauptgrund, warum der Reihenauftakt von mir lediglich drei Sterne bekommt, obwohl mir die Lektüre insgesamt viel Freude bereitet hat.

    Aus meiner Sicht hält Rachel Caine die Ausbildung der Postulant_innen viel zu vage, sodass ich weder eine Aussage dazu treffen könnte, was sie eigentlich lernen, noch dazu, welche Voraussetzungen sie erfüllen müssen, um ihre Ausbildung erfolgreich abschließen zu können. Auch kann ich nicht einschätzen, wie lang ihre Lehre dauert. Die zeitlichen Dimensionen blieben mir ein Rätsel, wodurch sich einige Entwicklungen der Handlung für mich überstürzt anfühlten.

    Ich bin skeptisch, dass die Autorin diese Lücken in der Fortsetzung „Paper and Fire“ adressiert und rechne nicht wirklich damit, das Bildungssystem der Bibliothek je richtig zu verstehen. Solltet ihr mit dem Gedanken spielen, die „The Great Library“-Reihe anzufangen, weil euch diese Details interessieren, empfehle ich euch, euch lieber nach anderen Werken umzuschauen.

Leseempfehlung?

Wenn ihr nicht gerade gezielt auf der Suche nach Dark Academia seid und der Ausbildungsaspekt der Geschichte nicht eure einzige Lesemotivation ist, habe ich keine Hemmungen, euch „Ink and Bone“ ans Herz zu legen. Für mich hat zu einer Bewertung mit vier Sternen wirklich nicht viel gefehlt. Ich fand den Reihenauftakt sehr spannend, originell und faszinierend. Es hat mir Spaß gemacht, den Protagonisten Jess zu begleiten und zu erforschen, was aus der Welt hätte werden können, wäre die Bibliothek von Alexandria nicht untergegangen. Rachel Caine hat mich definitiv davon überzeugt, dass es besser war, dass sie unterging – ob sie nun spektakulär verbrannte oder langsam in der vernachlässigten Bedeutungslosigkeit verschwand.

Für Fans von …

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