Cover des Buches 'The Wall of Storms' von Ken Liu

Titel: „The Wall of Storms“

Reihe: The Dandelion Dynasty #2

Autor_in: Ken Liu

Format: Taschenbuch

Seitenzahl: 852 Seiten

Verlag: Head of Zeus

Sprache: Englisch

ISBN-13: 9781784973278

Genre: Fantasy > High Fantasy

Ausgelesen: 16.06.2023

Bewertung: ★★★★★

Trivia: Infos rund um Buch und Autor_in

  • Trotz offenkundigem Einfluss der chinesischen Historie: Der Autor Ken Liu wehrt sich gegen die Bezeichnung „asiatische Fantasy“ für sein vierbändiges Epos „The Dandelion Dynasty“.

  • Er erfand ein eigenes Subgenre, um die Ästhetik der Tetralogie zu beschreiben, das er in einem Interview mit dem Grimdark Magazine erläutert: Silkpunk.

  • Bedauerlicherweise fand ich seine Definition abstrakt und schwer nachvollziehbar. Ich habe nicht verstanden, was genau das Subgenre ausmacht. Laut diesem Interview kommt sein Konzept für Silkpunk aber erst im zweiten Band „The Wall of Storms“ wirklich zum Tragen, nicht bereits im ersten Band „The Grace of Kings“.

  • Ich war daher sehr gespannt darauf, in der Fortsetzung herauszufinden, was Silkpunk eigentlich ist.

Deutsche Inhaltsangabe zu „The Wall of Storms“

Kaiser Ragin brachte Dara Frieden und beendete Jahrzehnte des Krieges. Doch viele erinnern sich noch daran, wer er einst war: Kuni Garu, der Banditenkönig. Für manche ist er ein Held, der Retter ihrer Nation und Befreier des Volkes. Andere sehen in ihm einen Verräter, der aus Machtgier das Blut seines besten Freundes vergoss. Sechs Jahre nach dem Tod des Hegemons wirft Mata Zyndus Legende fortwährend einen dunklen Schatten über Kunis Herrschaft.

Auch die Loyalität jener, die einst fest an Kunis und Jias Vision eines fortschrittlichen, gerechten Dara glaubten, beginnt zu bröckeln. Innenpolitische Machtkämpfe drohen, nicht nur die Zukunft des Reiches, sondern auch die von Kunis Kindern zu gefährden. Während Misstrauen und Intrigen das Kaiserhaus erschüttern, ahnt niemand, dass sich am Horizont eine neue Gefahr abzeichnet. Die unüberwindbare Wand der Stürme im Norden Daras verbirgt ein Geheimnis – und einen Feind, dem selbst die kampferprobte Armee des Kaisers vielleicht nicht gewachsen ist.

Kaiser Ragin brachte Dara Frieden und beendete Jahrzehnte des Krieges. Doch viele erinnern sich noch daran, wer er einst war: Kuni Garu, der Banditenkönig. Für manche ist er ein Held, der Retter ihrer Nation und Befreier des Volkes. Andere sehen in ihm einen Verräter, der aus Machtgier das Blut seines besten Freundes vergoss. Sechs Jahre nach dem Tod des Hegemons wirft Mata Zyndus Legende fortwährend einen dunklen Schatten über Kunis Herrschaft.

Auch die Loyalität jener, die einst fest an Kunis und Jias Vision eines fortschrittlichen, gerechten Dara glaubten, beginnt zu bröckeln. Innenpolitische Machtkämpfe drohen, nicht nur die Zukunft des Reiches, sondern auch die von Kunis Kindern zu gefährden. Während Misstrauen und Intrigen das Kaiserhaus erschüttern, ahnt niemand, dass sich am Horizont eine neue Gefahr abzeichnet. Die unüberwindbare Wand der Stürme im Norden Daras verbirgt ein Geheimnis – und einen Feind, dem selbst die kampferprobte Armee des Kaisers vielleicht nicht gewachsen ist.

Buchnotizen: Stärken, Schwächen und Reflexionen

  • Emotionale Nähe zur Handlung:

    „The Wall of Storms“ hat mich emotional sehr mitgerissen. Ich nahm so großen Anteil an der Handlung und den Leben der Figuren, dass ich sie vor negativen Entwicklungen und schlechten Entscheidungen bewahren wollte. Manchmal war es beinahe frustrierend, dass ich sie nicht retten konnte und sie Fehler machen lassen musste.

  • Silkpunk als ästhetisch wissenschaftliches Konzept:

    Ich habe jetzt wirklich verstanden, was Ken Liu mit Silkpunk meint. Nicht nur spielen Wissenschaft, Forschung und Innovationen eine viel größere Rolle als im ersten Band „The Grace of Kings“, dem Autor gelingt es auch, den Kontrast zu westlichen Perspektiven herauszuarbeiten. Die filigranen, verspielten und auf organischen Rohstoffen basierenden Erfindungen faszinierten mich, weil sie ein fast kindliches Staunen über die Wunder der Natur vermitteln. Daras Wissenschaftler_innen konkurrieren nicht mit der Schönheit der Natur, sie scheinen vielmehr danach zu streben, diese zu krönen. Ihre Experimente in „The Wall of Storms“ zu beobachten, entfaltete für mich einen einzigartigen nerdigen Thrill.

  • Wissenschaft und Philosophie:

    Es beeindruckte mich, wie mühelos Daras akademische Elite anerkennt, dass ihre Glaubenssätze und Weltanschauungen ihre Forschung zwangsläufig prägen. Es gibt keinen Anspruch vollkommener Objektivität – stattdessen dienen Experimente und Erfindungen ganz offen dazu, philosophische Ideen und Ansätze zu belegen oder zu untermauern.

  • Ken Lius Erzähltempo und Detailreichtum:

    Ich liebe es, dass Ken Liu sich niemals hetzen lässt, sich für alles Zeit nimmt und nichts überspringt. Er führt in aller Ruhe neue Figuren ein, schildert historische Hintergründe und hat keine Angst, dafür – wenn nötig – weit auszuholen oder sogar Zeitsprünge zu unternehmen. Er sorgte immer dafür, dass ich als Leserin von „The Wall of Storms“ über alle Informationen verfügte, um mir ein stabiles Gesamtbild machen zu können und den Kontext der aktuellen Ereignisse wirklich zu verstehen.

  • Erzählsituation:

    Ich nahm eine subtile Verschiebung der Erzählsituation wahr. Während ich im ersten Band „The Grace of Kings“ den Eindruck einer sachlichen Analyse oder Vorlesung zu Daras Historie hatte, erschien mir „The Wall of Storms“ stärker in der Gegenwart verankert. Dadurch gewann ich das Gefühl, die Ereignisse näher und unmittelbarer zu begleiten – ohne die professionelle, akademische Distanz des Vorgängers. Möglicherweise ist das ein Zeichen dafür, dass Ken Liu sich nun dem Kern seiner Geschichte widmet.

  • Realismus-Warnung:

    Hauptfiguren können sterben. Alles andere wäre in einem Epos dieses Ausmaßes auch unglaubwürdig, aber es ist wichtig, die eigene Erwartungshaltung entsprechend anzupassen. Nicht alle liebgewonnenen Charaktere kommen in „The Wall of Storms“ unbeschadet davon – und in der Gesamtheit von „The Dandelion Dynasty“ sicher erst recht nicht.

  • Kaiserin Jia:

    Kaiserin Jia ist eine der stärksten weiblichen Figuren, die mir je begegnet sind. Sie erinnert mich sehr an Inevera aus dem „Demon Cycle“ von Peter V. Brett, wird jedoch deutlich weniger von selbstsüchtigen Zielen motiviert. Ich bewunderte ihre Entschlossenheit, das Wohl ihres Landes über alles zu stellen – auch wenn ich ihre radikalen, skrupellosen Methoden oft nicht guthieß.

  • Kuni als sanfter Reformer:

    Kuni und Jia teilen die Vision eines besseren, gerechteren Dara. Im Gegensatz zu ihr legt er jedoch großen Wert darauf, ihr Volk im Transformationsprozess mitzunehmen und der Bevölkerung nicht mehr zuzumuten, als sie akzeptieren kann. Ich fand, dass er damit überraschend staatsmännische Weitsicht beweist. Für ihn ist Bildung und speziell die gezielte Förderung von Frauen ein Schlüsselelement, um Fortschritt zu ermöglichen – dafür liebte ich ihn von ganzem Herzen.

  • Kultureller Clash:

    Das Aufeinandertreffen fremder Kulturen ist ein altbekanntes Motiv in der High Fantasy, Ken Liu inszeniert diesen thematischen Klassiker in „The Wall of Storms“ jedoch hervorragend und vor allem glaubwürdig. Durch seine akribischen Hintergrunderklärungen fiel es mir sehr leicht, beide Perspektiven einzunehmen und zu verstehen, warum ein Konflikt vorprogrammiert war. Zudem zeigt Liu auch, wie sehr die innenpolitische Situation in Dara den Verlauf der Konfrontation mit einem Feind aus der Ferne beeinflusst. Ich fand die politische Ebene von „The Wall of Storms“ in jeder Hinsicht überzeugend.

Leseempfehlung?

Definitiv. Wer asiatisch inspirierte High Fantasy mag und nach einer Ästhetik sucht, die weit entfernt vom europäischen Mittelalter ist, wird in „The Wall of Storms“ mit einer epischen, emotional sowie intellektuell packenden Geschichte voller ambivalenter, komplexer Figuren und realistischen politischen Verwicklungen belohnt. Die Lektüre erfordert jedoch ein gewisses Maß an Geduld und Vertrauen.

Für Fans von …

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