Cover des Buches 'The Veiled Throne' von Ken Liu

Titel: „The Veiled Throne“

Reihe: The Dandelion Dynasty #3

Autor_in: Ken Liu

Format: Taschenbuch

Seitenzahl: 982 Seiten

Verlag: Saga Press

Sprache: Englisch

ISBN-13: 9781481424349

Genre: Fantasy > High Fantasy

Ausgelesen: 29.03.2025

Bewertung: ★★★☆☆

Trivia: Infos rund um Buch und Autor_in

  • Ursprünglich plante Ken Liu „The Dandelion Dynasty“ als Trilogie. Nachdem er bereits zwei umfangreiche Bände veröffentlicht hatte, nahm das Manuskript des Finales jedoch Ausmaße an, die sein Verlag Saga Press nicht mehr vertreten wollte. Wahrscheinlich entschieden sie daraufhin gemeinsam, dass eine Teilung die beste Lösung war. Im Sommer 2019, etwa drei Jahre nach Erscheinen von „The Wall of Storms“ reichte Liu die Manuskripte für „The Veiled Throne“ und „Speaking Bones“ beim Verlag ein.

  • Normalerweise hätte es ab diesem Zeitpunkt etwa anderthalb Jahre gedauert, bis „The Veiled Throne“ auf den Markt gekommen wäre – also in der ersten Jahreshälfte von 2021. Tatsächlich erschien „The Veiled Throne“ aber erst am 11. November 2021 in Großbritannien und sogar erst am 07. Dezember 2021 in den USA.

  • Der Grund dafür war der Ausbruch der Corona-Pandemie, die sich in vielerlei Hinsicht negativ auf die Buchbranche auswirkte. Papier war knapp, die globale Güterschifffahrt eingeschränkt, Druckereien und Versandzentren waren unterbesetzt – und nicht zuletzt mussten Buchhandlungen während der Lockdowns wochenlang schließen. Die Bedingungen für Bucherscheinungen waren denkbar schlecht.

  • Deshalb entschied Saga Press, die Veröffentlichung von „The Veiled Throne“ und „Speaking Bones“ um jeweils eine Saison nach hinten zu verschieben. Die Verzögerung sollte beiden Büchern bessere Chancen auf Sichtbarkeit und Erfolg auf dem Buchmarkt verschaffen.

  • Bei „The Veiled Throne“ scheint das gelungen zu sein. Die Resonanz von Leser_innen und Kritiker_innen fiel überwiegend positiv aus – obwohl wir den Effekt der Verzögerung natürlich nicht faktisch messen können.

Deutsche Inhaltsangabe zu „The Veiled Throne“

Die Wand der Stürme ist gefallen. Mit ihr öffnete sich ein Meer voller Gefahren und Möglichkeiten. Nachdem der Krieg zwischen Daru und Lyucu in einem Patt endete, besetzen die Lyucu die Insel Xana im Norden Daras. Die Bevölkerung lebt unterdrückt, ihre Kultur ist bedroht, und jede Form von Widerstand wird mit brutaler Gewalt erstickt. Einzig der fragile Waffenstillstand hält die Fronten in Schach – denn niemand verfügt über die Mittel, ihn offen zu brechen.

Die einzige Hoffnung für Dara liegt jenseits der Wand der Stürme. Begleitet von einer gewaltigen Flotte wagt Prinzessin Théra die riskante Überfahrt, um in der Heimat der Lyucu Verbündete zu gewinnen und einen Ausweg aus der Unterdrückung zu finden. Doch in Ukuyu-Gondé stößt sie auf ein undurchsichtiges Geflecht aus Macht und Loyalitäten, das sie nur mit größter Vorsicht bewegen kann. Jede ihrer Entscheidungen könnte das zerbrechliche Patt in Dara kippen – und jeder Tag, den ihr Volk länger auf Hilfe warten muss, könnte sein Schicksal besiegeln.

Die Wand der Stürme ist gefallen. Mit ihr öffnete sich ein Meer voller Gefahren und Möglichkeiten. Nachdem der Krieg zwischen Daru und Lyucu in einem Patt endete, besetzen die Lyucu die Insel Xana im Norden Daras. Die Bevölkerung lebt unterdrückt, ihre Kultur ist bedroht, und jede Form von Widerstand wird mit brutaler Gewalt erstickt. Einzig der fragile Waffenstillstand hält die Fronten in Schach – denn niemand verfügt über die Mittel, ihn offen zu brechen.

Die einzige Hoffnung für Dara liegt jenseits der Wand der Stürme. Begleitet von einer gewaltigen Flotte wagt Prinzessin Théra die riskante Überfahrt, um in der Heimat der Lyucu Verbündete zu gewinnen und einen Ausweg aus der Unterdrückung zu finden. Doch in Ukuyu-Gondé stößt sie auf ein undurchsichtiges Geflecht aus Macht und Loyalitäten, das sie nur mit größter Vorsicht bewegen kann. Jede ihrer Entscheidungen könnte das zerbrechliche Patt in Dara kippen – und jeder Tag, den ihr Volk länger auf Hilfe warten muss, könnte sein Schicksal besiegeln.

Buchnotizen: Stärken, Schwächen und Reflexionen

  • Zäher als erwartet:

    Uff, das war eine schwierige Leseerfahrung. Bevor ich „The Veiled Throne” aufschlug, wusste ich durch die beiden Vorgänger natürlich, dass Ken Liu nicht immer flüssig zu lesen ist. Ich nahm in Kauf, dass ich länger als üblich für das Buch brauchen würde, weil sich Geduld und Durchhaltevermögen in der „The Dandelion Dynasty“-Reihe bisher zuverlässig ausgezahlt hatten. Aber darauf, wie schwer mir die Lektüre dann wirklich fiel, wie zäh ich diesen dritten Band fand, darauf war ich nicht vorbereitet.

    Es ist nicht so, dass mich die Ereignisse in „The Veiled Throne“ kaltließen, nein, gar nicht. Eher hatte ich den Eindruck, dass Ken Liu meilenweit aus der Geschichte herauszoomt, um zu zeigen, was ihm wichtig und relevant für den Verlauf ist. Dadurch fühlte ich mich sowohl von der Handlung als auch von den Figuren, die mir eigentlich sehr am Herzen liegen, abgekoppelt und entfremdet. Es war, als hätte Liu die Nähe zu seinen Sympathieträger_innen geopfert, um seine Vorstellung der Geschichte um jeden Preis durchzuboxen.

    Für mich war der Zeitpunkt dieser Distanzierung denkbar schlecht. Ich hätte das Fundament der engen Verbundenheit, das ich über zwei Bände aufgebaut hatte, in dieser Fortsetzung dringend gebraucht, um mich daran zu gewöhnen, dass Kunis Kinder „plötzlich“ erwachsen sind.

    Wie es sich für ein monumentales Epos gehört, umspannt „The Dandelion Dynasty“ beachtliche zeitliche Dimensionen. Damit einher gehen große Zeitsprünge. Das heißt, ich kenne Kunis Kinder von Geburt an und habe sie aufwachsen sehen, aber als Erwachsene begegneten sie mir in „The Veiled Throne“ zum ersten Mal. Um in ihnen die Personen wiederzuerkennen, die ich schon ihr ganzes Leben begleite, hätte ich sie im dritten Band neu kennenlernen müssen. Das erlaubte mir Ken Liu jedoch nicht.

    Stattdessen setzt er weiterhin enorme Zeitsprünge ein, um die Handlung voranzutreiben, und verzichtet darauf, den Entwicklungsprozess seiner Figuren zu zeigen. Ich erhielt zum Beispiel keine Gelegenheit, mich darauf einzustellen, dass sie alt genug sind, selbst Kinder zu bekommen und Familien zu gründen. Ich sah nur Blitzlichter, Momentaufnahmen – Stadien und Ergebnisse, aber keine Prozesse. Dadurch blieben sie mir fremd, was es mir erschwerte, Anteil an ihren Schicksalen und der Geschichte von „The Veiled Throne“ zu nehmen.

  • Langatmige Chronik:

    Einer der Gründe, warum mich Ken Lius radikale Distanzierung enttäuschte, war die Annahme, dass er die Rolle des kühlen, analytischen Chronisten mit dem zweiten Band „The Wall of Storms“ hinter sich gelassen hätte. Ich war bestürzt, dass er in „The Veiled Throne“ in diese Rolle zurückkehrt, und fand auch, dass er seinen Leser_innen aus dieser Position heraus sehr viel Geduld und Vertrauen abverlangt – vielleicht sogar zu viel. Natürlich ergeben alle Aspekte seiner Geschichte am Ende Sinn, sonst wäre er ein mieser Chronist, aber bis ich das bestätigt sah, musste ich mich durch hunderte von Seiten kämpfen.

    Beispielsweise integriert er recht weit am Anfang eine Binnenerzählung, in der er den Schöpfungsmythos der Lyucu schildert. Dieser Schöpfungsmythos ist sehr schön – aber ganz schön lang. Ich verstand lange nicht, welchen Mehrwert er für mich und die Geschichte hat, warum ich all das so detailliert erfahren musste. Erst irgendwann nach Seite 800 wurde mir klar, wieso es wichtig war, dass ich ihn las. Das führte dazu, dass mir die Lektüre noch zäher und langatmiger erschien.

    Diese Wahrnehmung wurde darüber hinaus von Ken Lius kleinteiligen Beschreibungen von Maschinen verstärkt. Er neigt dazu, sich regelrecht darin zu verlieren. Sollte er glauben, dass ich mir seine fiktiven Maschinen dadurch genauso bildlich vorstellen kann wie er, muss ich widersprechen. Das kann ich leider nicht. Für mich waren auch diese Passagen lediglich Seiten zum Durchkämpfen.

  • …und dann floss es auf einmal doch:

    Ich kann euch präzise sagen, wann sich meine Leseerfahrung mit „The Veiled Throne“ wandelte: Seite 575. Kapitel 32. Was ich jetzt zu beschreiben versuche, mag völlig verrückt klingen, aber ich schwöre euch, genauso habe ich es erlebt und wahrgenommen.

    Nachdem Ken Liu 574 Seiten lang aus der Distanz der Vogelperspektive heraus kühl und nüchtern doziert, vollführt er auf Seite 575 plötzlich ein rasantes Sturzflugmanöver und wechselt jäh in die Froschperspektive. Auf einmal ändert sich alles – Rhythmus, Taktung und Fokus der Geschichte. Es war, als hätte er von einer Sekunde auf die andere entschieden, doch wieder ganz dicht an die Figuren heranzuzoomen. Plötzlich fühlte ich mich ihnen verbunden. Plötzlich rissen mich die Ereignisse mit.

    Selbstverständlich war ich unheimlich erleichtert und freute mich wahnsinnig. Es war mir egal, dass es ziemlich durchschaubar war, wie Ken Liu meine Emotionen und Sympathien nun lenkte, wie er dafür sorgte, dass ich mitfieberte – weil es funktionierte. Über das Ergebnis kann und möchte ich mich folglich nicht beschweren. Aber … Warum war diese emotionale Intensität nicht von Anfang an möglich?

    Ich erkenne und respektiere, dass alles, was auf den 574 Seiten zuvor passiert, wichtig für den Kontext ist. Ich verstehe nur nicht, warum die Etablierung dieses Kontextes nicht genauso flüssig ausfallen konnte, warum „The Veiled Throne“ so lange zäh, mühsam und schwerfällig sein musste. Dadurch wirkt der Wandel auf Seite 575 so abrupt und unerwartet, dass ich nicht nur irritiert, sondern misstrauisch war. Ich glaubte zuerst nicht daran, dass ich den anstrengenden Part überwunden hatte. Wie unglaublich schade.

  • Wer trägt welche Verantwortung?

    Blicke ich auf die Lektüre von „The Veiled Throne“ zurück und führe mir vor Augen, wie wenig ausbalanciert die Geschichte auf mich wirkte, glaube ich, Ken Liu wusste selbst nicht so richtig, wie er diesen dritten Band seines Epos ausgestalten sollte. Ich glaube, der Übergang vom Krieg in „The Wall of Storms“ zum Waffenstillstand in „The Veiled Throne“ war für ihn eine enorme Herausforderung.

    Ich erkenne an, dass die reine Faktenebene der Geschichte in ihrem Ausmaß bereits ziemlich überwältigend ist, und jedes Detail berechtigt und notwendig ist, um das Gesamtbild zu verstehen. Aber eine Geschichte zeichnet sich eben nicht nur dadurch aus, was erzählt wird, sondern auch dadurch, wie sie erzählt wird.

    Meiner Meinung nach sind Ken Liu die Organisation und Struktur der Elemente seiner Fortsetzung überhaupt nicht gelungen; als hätte er vergessen, für wen er sie schreibt. Bis Seite 575 verstand ich nicht, warum er mir all diese Feinheiten in diesem Detailreichtum präsentierte. Nach Seite 575 verstand ich nicht, warum er diese Feinheiten nicht zugänglicher schildern konnte – und stellte mir die Frage, ob das Problem bei mir liegt, ob ich vielleicht einfach nicht clever genug bin, um seine „überlegene Erzählkunst“ zu durchschauen und wertzuschätzen.

    Es war ganz sicher nicht seine Absicht, dass ich mich so fühle und ich bin die Erste, die zugibt, dass ich für meine Unsicherheiten natürlich selbst verantwortlich bin. Dafür, wie zugänglich und greifbar die Geschichte ausfällt, liegt die Verantwortung jedoch zweifellos bei Ken Liu als Autor. Und ab Kapitel 32 beweist er ja auch, dass er dieser Verantwortung gerecht werden kann.

Leseempfehlung?

Ich möchte keine Leseempfehlung aussprechen. Ich muss es ganz ehrlich sagen, Ken Liu hätte mich mit „The Veiled Throne“ beinahe verloren. Dass mehr als die Hälfte der Lektüre des dritten Bandes für mich anstrengend und ermüdend ausfiel, hat sich definitiv negativ in meinem Gedächtnis eingebrannt. Ich habe nicht das Gefühl, dass ich euch guten Gewissens zu dieser Fortsetzung raten kann, weil ich nicht guten Gewissens behaupten kann, dass sich die Mühe wirklich lohnt.

So sehr ich mich über die Wendung in der Geschichte freute, sie scheint mir rückblickend doch ein eher schmaler Trostpreis für meinen zähen Kampf mit den ersten 574 Seiten. Möglicherweise ändert sich meine Einschätzung, sobald ich das Finale „Speaking Bones“ gelesen habe. Aktuell kann ich jedoch nicht beurteilen, ob „The Veiled Throne“ in genau dieser Form unverzichtbar für das Epos und jeden Funken Geduld und Ausdauer wert ist. Ich muss euch also leider vertrösten: Eine verlässliche Empfehlung für den dritten Band ist erst möglich, wenn ich „The Dandelion Dynasty“ abgeschlossen habe.

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