Cover des Buches 'Ein Wispern unter Baker Street' von Ben Aaronovitch

Titel: „Ein Wispern unter Baker Street“

OT: „Whispers Under Ground“

Reihe: Peter Grant #3

Autor_in: Ben Aaronovitch

Format: Taschenbuch

Seitenzahl: 447 Seiten

Verlag: dtv

Sprache: Deutsch

ISBN-13: 9783423214483

Genre: Fantasy > Urban Fantasy

Ausgelesen: 26.01.2022

Bewertung: ★★★☆☆

Trivia: Infos rund um Buch und Autor_in

  • Die Reihe „Peter Grant“ basiert auf einer alten Ideenskizze, die Ben Aaronovitch während seiner Zeit als Drehbuch- und Franchise-Autor für „Doktor Who“ irgendwann zwischen den späten 80ern und Mitte der 90er Jahre entworfen hatte.

  • Das ursprüngliche Konzept vereinte Kriminal- und Fantasy-Elemente und war als TV-Serie geplant – bevor Aaronovitch einsah, dass kein britischer Fernsehsender sie je produzieren würde.

  • Er belebte das Projekt unter dem Arbeitstitel „Magic Cops“ wieder und begann, über seinen Protagonisten nachzudenken. Zuerst wusste er nur, dass seine Hauptfigur aus London stammte, multiethnischer Herkunft war und bei der Polizei arbeitete.

  • Aaronovitch behauptet, dass Peter Grant kurz darauf voll ausschattiert inklusive lückenloser Biografie und Familiengeschichte in seinem Kopf auftauchte. Ob das nun stimmt oder nicht, sobald er sich hinsetzte und die ersten fünf Seiten schrieb, wurde Peters Stimme für ihn lebendig und er wusste, dass er etwas auf der Spur war, das er verkaufen konnte.

  • 2011, im Alter von 47 Jahren, verkaufte er sein Manuskript dann tatsächlich. Ben Aaronovitch unterschrieb einen Vertrag beim Verlag Gollancz. Noch im selben Jahr wurden die ersten beiden „Peter Grant“-Bände „Die Flüsse von London“ und „Schwarzer Mond über Soho“ veröffentlicht. Der dritte Band „Ein Wispern unter Baker Street“ folgte 2012 nur ein Jahr später.

Deutsche Inhaltsangabe zu „Ein Wispern unter Baker Street“

An einem Sonntag kurz vor Weihnachten taumelt ein junger Mann schwer verletzt aus einem U-Bahn-Tunnel der Baker Street Station. Niemand weiß, woher er kam oder wie er auf die Gleise gelangte. Antworten kann er selbst nicht mehr geben – er erliegt wenig später seinen Stichverletzungen. Zunächst deutet nichts auf Magie hin, doch als Peter Grant die Tatwaffe untersucht, stößt er auf eindeutige Spuren.

Plötzlich ist Londons polizeilicher Zauberlehrling in eine Ermittlung verwickelt, die ihn tief in den Untergrund führt, zu vergessenen Tunneln, vergrabenen Flüssen und der düsteren Geschichte der Stadt. Während Peter den schaurigen Geheimnissen der Vergangenheit auf den Grund geht, beschleicht ihn ein ungutes Gefühl: In der Dunkelheit warten nicht nur Ratten auf ihn …

An einem Sonntag kurz vor Weihnachten taumelt ein junger Mann schwer verletzt aus einem U-Bahn-Tunnel der Baker Street Station. Niemand weiß, woher er kam oder wie er auf die Gleise gelangte. Antworten kann er selbst nicht mehr geben – er erliegt wenig später seinen Stichverletzungen. Zunächst deutet nichts auf Magie hin, doch als Peter Grant die Tatwaffe untersucht, stößt er auf eindeutige Spuren.

Plötzlich ist Londons polizeilicher Zauberlehrling in eine Ermittlung verwickelt, die ihn tief in den Untergrund führt, zu vergessenen Tunneln, vergrabenen Flüssen und der düsteren Geschichte der Stadt. Während Peter den schaurigen Geheimnissen der Vergangenheit auf den Grund geht, beschleicht ihn ein ungutes Gefühl: In der Dunkelheit warten nicht nur Ratten auf ihn …

Buchnotizen: Stärken, Schwächen und Reflexionen

  • Der perfekte Gaumenreiniger:

    Ich habe es wahnsinnig genossen, mit „Ein Wispern unter Baker Street“ eine leichte, unterhaltsame Lektüre zu lesen, die mich überhaupt nicht anstrengte. Ich war schnell durch mit dem Buch, denn ich konnte mich einfach in die Geschichte hineinfallen lassen, ohne spezifische Erwartungen zu haben oder erfüllen zu müssen. Ben Aaronovitch verlangt von seinen Leser_innen nicht, sich groß Gedanken zu machen. Er möchte, dass wir Spaß haben – und das merkt man. Bei mir funktioniert das mit der „Peter Grant“-Reihe wunderbar. Peters trockener britischer Humor war dabei in diesem dritten Band wieder ein besonderes Highlight, das erfreulicherweise auch in der deutschen Übersetzung gut transportiert wird.

  • Spannende Wissenshäppchen über London:

    Ich liebe es, dass ich in den Bänden der „Peter Grant“-Reihe immer etwas über die Geschichte und Eigenheiten Londons lerne. „Ein Wispern unter Baker Street“ beschäftigt sich vor allem mit dem unterirdischen Netz aus U-Bahn und Kanalisation sowie mit der Industriegeschichte der Pottery Lane. Ich fand beides faszinierend. Durch die übernatürlichen Aspekte seines Universums kann Ben Aaronovitch die Historie der Stadt greifbar in die Gegenwart holen und bizarre Szenarien heraufbeschwören, die absolut vorstellbar wirken. Ich finde, das ist ihm in „Ein Wispern unter Baker Street“ sehr gut gelungen.

  • Manöverkritik zum Fall:

    In meiner Rezension des Vorgängerbandes „Schwarzer Mond über Soho“ habe ich bereits erwähnt, dass Ben Aaronovitch meiner Meinung nach kein talentierter Krimiautor ist. Das bestätigt sich meines Erachtens in „Ein Wispern unter Baker Street“. Der Auftakt des Falls gestaltete sich für mich kraftvoll, atmosphärisch und wohlig-unheimlich: Eine Person stolpert schwer verletzt aus einem U-Bahn-Tunnel und verstirbt kurz darauf, ohne dass jemand erklären kann, wie sie überhaupt auf die Gleise kam. Als regelmäßige Nutzerin des Berliner U-Bahnnetzes jagt mir diese Vorstellung einen Schauer über den Rücken.

    Die Ermittlungen erschienen mir hingegen undurchsichtig. Ich hatte keine Chance, effektiv mitzurätseln, denn der Fall entpuppt sich einerseits erneut als reichlich kompliziert und verzwickt, andererseits gibt Aaronovitch nicht genug Informationen preis, als dass ich Theorien und Verdächtigung hätte aufstellen können. Die entscheidenden Puzzleteile enthüllt er erst ganz am Ende von „Ein Wispern unter Baker Street“, wodurch die Auflösung zwar plausibel wirkt, mir allerdings wenig Befriedigung verschaffte, weil ich nur Zaungast sein durfte.

  • Die Ausbildung des Zauberlehrlings:

    So sehr ich die „Peter Grant“-Reihe mag, Peters Ausbildung als Zauberlehrling kam mir in allen drei Bänden, die ich bisher gelesen habe, zu kurz. Ich habe natürlich nie einen erwachsenen Harry Potter erwartet, aber auf mich wirkt Peter viel zu sehr auf sich selbst gestellt. Ich habe nicht das Gefühl, dass sein Vorgesetzter Thomas Nightingale ihn wirklich begleitet, schult und fördert. Nightingale lässt ihn oft einfach machen – ist das nicht ziemlich gefährlich und fahrlässig, wenn Peter noch so weit am Anfang steht, wenige Zauber beherrscht, sich jedoch Gegner_innen stellen muss, die weit mehr Erfahrung haben?

    Auch in „Ein Wispern unter Baker Street“ runzelte ich die Stirn darüber, dass Peter so wenig Betreuung erhält. Zudem weiß ich rein gar nichts darüber, wie Peters Ausbildung abläuft, wenn er nicht gerade in eine akute Ermittlung verwickelt ist. Ich finde, hier muss Ben Aaronovitch in den kommenden Bänden definitiv nachjustieren, denn wirklich überzeugend ist dieser Aspekt der Reihe noch nicht.

  • Mein schwieriges Verhältnis zu Lesley:

    Was ich an Peter sehr schätze, ist seine pragmatische, grundlegend wohlwollende Einstellung zu der Wendung, die sein Leben durch das Übernatürliche unverhofft nahm. Lesley empfindet hingegen offenbar so gar keine Freude für die Magie. Ich musste mir in „Ein Wispern unter Baker Street“ eingestehen, dass ich sie nicht mag.

    Abgesehen davon, dass sie ihre magische Ausbildung als Strafe zu betrachten scheint, was ich lediglich bedingt nachvollziehen kann, empfinde ich sie einfach als unangenehm und unsympathisch. Lesley ist schroff, nörgelt und frotzelt bei jeder sich bietenden Gelegenheit, wirft ständig mit bösen Blicken um sich und kann selten eine stichelfreie Antwort geben. Ich kann absolut nicht verstehen, wie Peter sie angesichts ihres unmöglichen Verhaltens überhaupt mögen kann, ganz zu schweigen von seinen angedeuteten romantischen Gefühlen für sie. Für mich ist sie ein Störfaktor, auf den ich gern verzichten würde.

  • Peters Rassismuserfahrungen:

    Die „Peter Grant“-Reihe mag Urban Fantasy sein, mit der Ben Aaronovitch sein Publikum hauptsächlich unterhalten möchte. Das heißt jedoch nicht, dass er ernste Themen der Realität kategorisch ausklammert. Ich finde es wichtig und richtig, dass er immer wieder Situationen involviert, in denen Peter als Person of Color Rassismus erlebt. Nicht nur in „Ein Wispern unter Baker Street“, sondern auch in den Vorgängerbänden schwingen seine Alltagsrassismuserfahrungen subtil mit.

  • Folgebände und Übersetzungen:

    Ich möchte „Peter Grant“ gern weiterlesen. Für mich ist es aber völlig in Ordnung, wenn zwischen den einzelnen Bänden große zeitliche Abstände liegen. Ich betrachte sie als die ideale Lektüre für zwischendurch, die mir nichts abverlangt und mir hilft, mich zu entspannen. Ich verspüre keine Dringlichkeit, sie konsequent weiterzuverfolgen. Mir reicht es, alle paar Jahre einen Band zu lesen.

    Ich überlege allerdings, ob ich ab dem fünften Band zu den englischen Ausgaben wechsele. Den vierten Band besitze ich noch in der deutschen Übersetzung; die nachfolgenden muss ich erst kaufen und hätte dementsprechend eine passende Gelegenheit für den Übergang. Ich bin etwas unschlüssig, denn ein Teil des Entspannungsfaktors der Reihe geht für mich darauf zurück, dass ich sie bisher in meiner Erstsprache lese. Vielleicht versuche ich es mal mit einem Band im Original. Stelle ich dann fest, dass ich die deutschen Ausgaben mehr genossen habe, kann ich dazu immer noch zurückkehren.

Leseempfehlung?

Unter bestimmten Voraussetzungen. Für mich haben alle „Peter Grant“-Bände inklusive „Ein Wispern unter Baker Street“ ihren Reiz, weil sie mir die mühelose Unterhaltung bieten, nach der ich mich zwischen anspruchsvolleren, emotional aufwühlenden Werken hin und wieder sehne. Ben Aaronovitchs Humor trifft meinen Geschmack und ich mag die nerdigen Wissensschnipsel über London, um die herum er seine Fälle aufbaut.

Dennoch kann ich nicht leugnen, dass es da draußen sowohl bessere Urban Fantasy- als auch Kriminalliteratur gibt. Sucht ihr ausdrücklich nach schriftstellerischer Finesse und tiefgründiger Qualität für eure Lektüreauswahl, ist „Peter Grant“ wahrscheinlich nicht das Richtige für euch. Wollt ihr beim Lesen hingegen abschalten, habt ihr Spaß an übernatürlichen Kriminalfällen, die für euch gelöst werden, ohne dass ihr euch selbst als Detektiv_in betätigen müsst, kann euch die Reihe sicher Freude bereiten.

Für Fans von …

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