Christoph Hardebusch – Sturmwelten

Cover des Buches "Sturmwelten" von Christoph Hardebusch

Reihe: Sturmwelten-Trilogie #1

Autor_in: Christoph Hardebusch

Format: Taschenbuch

Seitenzahl: 720 Seiten

Verlag: Heyne

Sprache: Deutsch

ISBN-10: 3453523857

Genre: Fantasy > High Fantasy

Ausgelesen: 30.01.2015

Bewertung: ★★★★★

Christoph Hardebusch ist wohl vorrangig für seine Reihe „Die Trolle“ bekannt. Eine Zeit lang gab es ja diesen Trend, zu jedem fantastischen Volk eine eigene Serie zu veröffentlichen: „Die Zwerge“ von Markus Heitz, „Die Orks“ von Stan Nicholls, „Die Elfen“ von Bernhard Hennen oder auch „Die Goblins“ von Jim C. Hines. „Die Trolle“ hat mich nie interessiert, einfach, weil ich Trolle allgemein nicht übermäßig interessant finde. Dementsprechend habe ich mir auch nie angesehen, was Christoph Hardebusch abseits dieser Serie geschrieben hat. Wie ich dann trotzdem auf seine Sturmwelten-Trilogie stieß, weiß ich nicht mehr, aber ich wusste sofort, dass es die perfekte Lektüre für mich ist. Eine Fantasy-Welt voller Piraten, Magie und nautischen Abenteuern – da musste ich einfach schwach werden. ;)

Die Sturmwelt – Gewässer voller Magie, Gefahren und Abenteuer. Zwischen unerforschten Inseln, inmitten der launischen See kreuzen nur die mutigsten Matrosen oder diejenigen, die nichts mehr zu verlieren haben. Wie ein Flüstern zieht sich ein Gerücht durch diese Welt: von einem schwarzen Schiff, dessen Ladung so wertvoll ist, dass Marine, Händler und Piraten sie gleichermaßen begehren. Mächtige Interessen prallen vor einer gesetzeswidrigen Sklavenkolonie aufeinander, obwohl niemand weiß, woraus diese Ladung besteht. Versprechungen, Gier und Verrat lassen die Grenzen zwischen Freund und Feind verschwimmen. Auf der Jagd nach einem dunklen Geheimnis bilden sich neue Allianzen und nur die geduldige, unbarmherzige See weiß, wohin die Reise geht …

Ich liebe dieses Buch! Die Atmosphäre ist bombastisch und so real, dass ich beim Lesen oft völlig in der Sturmwelt verschwand. Ich hatte das Gefühl, die salzige See riechen und die Brise in meinem Gesicht spüren zu können. Ich weiß nicht, wie Christoph Hardebusch es angestellt hat, aber es ist ihm gelungen, die besänftigende Wirkung des Meeres in die Seiten seines Buches zu bannen. Wann immer ich es aufschlug und mich darin verlor, fühlte ich mich zutiefst entspannt und zufrieden. Das ist mir in diesem Maße noch nie passiert. Nie habe ich mich so ruhig beim Lesen eines spannenden High Fantasy Romans gefühlt. Ich bin hingerissen, „Sturmwelten“ hat eine ganz eigene Aura, die so schillernd und facettenreich ist wie die See im Sonnenlicht. Ich bin überglücklich, dass ich diese Trilogie entdeckt habe.
Die beruhigende Wirkung dieses ersten Bandes wird herrlich vom Aufbau der Handlung unterstützt. Hardebusch beginnt die Trilogie bedächtig und ausgeglichen; er führt seine LeserInnen sanft in die Sturmwelt ein und nimmt sich viel Zeit, um Charaktere und Gegebenheiten vorzustellen, sodass es leicht ist, sich dort zurecht zu finden und heimisch zu fühlen. Mir gefiel diese Gelassenheit ausnehmend gut, denn in einer Trilogie mit knapp 2.000 Seiten ist es nicht nötig, überhastet in die Handlung zu stürzen. Diese bestreiten die LeserInnen abwechselnd aus der Perspektive der fünf Hauptcharaktere. Sie sind sehr unterschiedlich, wodurch eine angenehme Mischung aus Erlebnissen und Ansichten entsteht. Für mich sind die beiden interessantesten Figuren Jaquento, der Pirat wider Willen und Roxane, die pflichtbewusste Marineoffizierin. Ihr Reiz ergibt sich aus ihrer augenscheinlichen Gegensätzlichkeit in Kombination mit ihrer prickelnden Interaktion. Sie stehen auf entgegengesetzten Seiten des Gesetzes, teilen aber die Leidenschaft für die See. Zwischen ihnen knistert es gewaltig; ich bin schon sehr gespannt darauf, wie weit Hardebusch diese Anziehung treiben wird. Eine kleine Romanze gäbe der Geschichte zusätzliche Würze. ;)
Darüber hinaus lässt Hardebusch eine Vielzahl von Nebenfiguren auftauchen, die mal mehr, mal weniger im Fokus stehen, aber ohne Ausnahme liebevoll und rund gezeichnet sind. Besonders den Piraten-Kapitän Deguay, auf dessen Schiff sich Jaquento gezwungenermaßen aufhält, fand ich herausragend. Er ist ein manipulativer, hinterhältiger und machthungriger Mistkerl, eine fantastische Figur und der perfekte, ebenbürtige Gegenspieler für Jaquento. Ich habe eine Schwäche für die Bösen und liebe es, dass Hardebusch mit Deguay einen intelligenten, hochinteressanten Antagonisten geschaffen hat, indem noch viel Potential für die weiteren Bände steckt.
Das einzige, das ich an diesem ansonsten fabelhaften Buch bemängeln muss, ist, dass das System von Magie und Religion nicht so ausdrücklich erklärt wird, wie ich es mir gewünscht hätte. Mein Wissen musste ich mir anhand von Andeutungen und beiläufigen Bemerkungen selbst erschließen. Ich denke allerdings, dass Hardebusch auf diese Thematik vermutlich in den nächsten Bänden genauer eingehen wird, weshalb es an meiner Bewertung nichts ändert.

Die Sturmwelt ist ein Ort, der mich auf besondere Weise bezaubert hat, weil Christoph Hardebusch all meine romantischen Vorstellungen vom Leben auf See in eine spannende, vielversprechende Handlung eingearbeitet hat. Beim Lesen von „Sturmwelten“ bekam ich Lust, meine Sachen zu packen, mich von meinem normalen Leben zu verabschieden und einfach auf einem Schiff anzuheuern, um frei und stolz über die Weltmeere zu schippern. Natürlich ist das keine Option, aber es war wundervoll, diese Fantasie mithilfe des Romans zu träumen. Für mich war „Sturmwelten“ daher eine Lektüre, die mich in eine der unwiderstehlichsten High Fantasy – Welten überhaupt entführte. Ich bin restlos begeistert von Christoph Hardebuschs eingängiger und anschaulicher Schreibweise, seinen kreativen Ideen und der fesselnden Verwegenheit seiner gesamten Geschichte. Ich bin furchtbar neugierig auf den nächsten Band „Unter schwarzen Segeln“ und kann euch „Sturmwelten“ nur wärmstens ans Herz legen, wenn ihr ebenso wie ich eine Schwäche für Seefahrerabenteuer habt. Ich verspreche euch, ihr bekommt all das, was dieses Genre so verführerisch macht: Kämpfe zu Wasser, exotische Inseln und ab und zu eine gehörige Portion Seemannsgarn.