Wortmagie’s makabre High Fantasy Challenge 2023

Der warme Lichtschein der kleinen Dorfschenke wirkt im Dunkel der ungemütlichen Nacht wie eine Einladung. Draußen pfeift der Wind um die Fensterläden und lässt den Regen tanzen. Drinnen erhellen Kerzen den behaglichen Schankraum und werfen unruhige Schatten an die Wände. Im Kamin prasselt ein fröhliches Feuer. An vielen Stellen glänzt der grobe Dielenboden blank poliert von Stuhlbeinen, die hier unzählige Male verrückt wurden. Der Geruch nach herzhafter Hausmannskost und würzigem Bier liegt in der Luft.

An diesem Abend sind nicht viele Tische besetzt. Nur wenige Gäste haben Nässe und Kälte getrotzt, um sich eine Schüssel kräftige Suppe und ein Gläschen in freundlicher Gesellschaft zu genehmigen. Im hinteren Bereich des Raums beanspruchen drei ungewöhnliche Gestalten einen kleinen runden Tisch für sich: Eine Frau und zwei Männer. Sie alle tragen robuste, geschmeidige Lederrüstungen. Unter ihren langen, schweren Umhängen blitzt es im Flackern des Kerzenlichts immer wieder metallisch auf. Sie sind Fremde, auf der Durchreise, wie sie dem Wirt sagten. Niemand zweifelt daran, dass man sich mit diesen dreien lieber nicht anlegt.

Sie spielen Karten; auf der Mitte ihres Tisches häufen sich bereits einige Münzen und diverse seltsame Gegenstände. Die Stimmung ist ausgelassen, derbe Witze und gutgemeinte Sticheleien fliegen hin und her.

„Butter bei die Fische Jungs, Hosen runter, ich will sehen!“

Die Frau schmettert ihre Karten auf den Tisch. Ihre beiden Begleiter stöhnen frustriert auf und decken ihre Karten ebenfalls auf. Das Blatt der Frau hat eindeutig gewonnen. Während sie triumphierend die Arme ausbreitet und grinsend den Haufen aus Geld und Schnickschnack zu sich heranzieht, verdreht der größere der beiden Männer entnervt die Augen.

„Ehrlich Boss, mit dir zu spielen macht keinen Spaß.“

„Na na, Hal, sei kein schlechter Verlierer! Ich kann auch nichts dafür, dass Fortuna mich liebt und euch mit Fußtritten bedenkt.“

Der kleinere der beiden Männer schüttelt hitzig den Kopf. Die Spitzen seines penibel gestutzten Schnurrbarts zittern empört.

„Mit Glück hat das nichts mehr zu tun! Ich sag’s dir Hal, sie hat damals in der Wüste doch einen Handel mit diesem Flaschendämon abgeschlossen! Deshalb gewinnt sie jedes Spiel!“

Die Frau lacht laut auf und schlägt mit der flachen Hand auf den Tisch.

„Ein Handel mit dem Flaschendämon? Eine bessere Erklärung fällt dir wohl nicht ein! Nur mal interessehalber, was hätte der Dämon davon?“

Tar zuckt die Achseln.

„Was weiß ich! Vielleicht hast du ihm dein erstgeborenes Kind versprochen!“

Er verengt die Augen zu schmalen Schlitzen und deutet mit dem Zeigefinger auf sie. Sein Boss verschluckt sich und prustet in ihren Krug Bier, aus dem sie gerade einen Zug nehmen wollte.

„Mein Erstgeborenes! Du meinst das Erstgeborene, das ich in einem Schauer aus Feenstaub rauspresse, während wir mal wieder in vollem Galopp vor einem wütenden Drachen fliehen?“

Sie kichert glucksend vor sich hin. Tar gelingt es nicht, das Zucken seiner Lippen bei dieser Vorstellung zu verbergen­. Hal schmunzelt und bemerkt trocken:

„Immerhin wäre dann sogar unser werter Herr Magus endlich mal sprachlos.“

Alle drei brechen in schallendes Gelächter aus. Gut gelaunt stoßen sie mit ihren Humpen an. Noch immer grinsend sammelt die Frau die Spielkarten ein und beginnt, sie zu mischen.

„Scherz beiseite Jungs, wie sieht’s aus, Revanche? Oder wollt ihr lieber noch ein bisschen über das Unrecht der Welt jammern?“

Hal greift in seine Taschen und holt seine letzten Münzen hervor.

„Wenn ich diese Runde wieder verliere, bin ich pleite. Also keine Gnade mehr, jetzt werden die harten Bandagen ausgepackt!“

Resolut knallt er den kleinen Stapel Münzen neben seinen Bierkrug. Tar verzieht unglücklich das Gesicht. Sogar seine Schnurrbartspitzen wirken geknickt.

„Ich bin schon pleite. Der bescheidene Rest meiner Ersparnisse ist in der letzten Runde draufgegangen.“

Die Frau lächelt ihn hinterlistig an.

„Nun, ich zahle deinen Lohn, also hat dein Geld für mich sowieso eher symbolischen Wert. Aber da befindet sich etwas in deinem Besitz, das ich in meiner grenzenlosen Großzügigkeit als Einsatz akzeptieren würde.“

Sie deutet vielsagend auf seinen Rucksack. Tar wirft erbost die Arme in die Höhe.

„Sag mir nicht, dass es dir die ganze Zeit nur darum ging! Seit die Prinzessin sie mir geschenkt hat, bist du scharf auf die Chimärenschuppen!“

Sein Boss reißt in gespielter Unschuld die Augen auf und legt ihre rechte Hand auf ihr Herz.

„Ich würde doch niemals zwei meiner besten Kämpfer so schamlos hinters Licht führen!“

Tar und Hal tauschen einen Blick und sagen wie aus einem Mund:

„Doch, würdest du!“

Sie hat den Anstand, ein wenig ertappt dreinzuschauen und räuspert sich.

„Wie dem auch sei, bist du drin oder draußen, Tar? Setzt du die Schuppen?“

Tar überlegt, windet sich, kann der Herausforderung jedoch nicht widerstehen. Er holt ein schimmerndes kleines Samtsäckchen aus seinem Packen.

„Na gut, na gut! Aber nur unter einer Bedingung: Wenn ich verliere, gibst du mir einmal die Woche die Chance, die Schuppen zurückzugewinnen. Sie haben einen emotionalen Wert für mich, weißt du.“

Hal grinst dreckig.

„Ja, ich erinnere mich, wie emotional es zwischen dir und der Prinzessin wurde.“

Er wackelt anzüglich mit den Augenbrauen. Bevor Tar wieder in die Luft gehen kann, klopft ihm die Frau strahlend auf die Schulter.

„Na also! Das ist mein Junge!“ Sie beginnt, die Karten auszuteilen. „Dieselben Regeln wie immer, keine Joker, Mindesteinsatz sind drei Münzen oder eine Schuppe.“

Noch während sie eifrig die Karten ausgibt, schiebt sich von links eine zierliche Gestalt in ihr Blickfeld.

„Verzeiht …“

Die Frau sieht auf. Neben ihr steht das junge Mädchen, das die drei bereits den ganzen Abend über bedient hat. Sie wirkt eingeschüchtert, aber in ihren Augen funkelt die Entschlossenheit.

„Ja bitte, wie kann ich dir helfen? Wollt ihr schließen? Ist die Zeche fällig?“

Das Mädchen schluckt und scheint Schwierigkeiten zu haben, ihre Stimme wiederzufinden. Die Frau gibt ihr Zeit und wartet geduldig, bis sie ihren Mut zusammengekratzt hat und ein Schwall Worte aus ihr hervorsprudelt.

„Nein, nein, wir schließen immer erst nach Mitternacht. Also meistens, manchmal verabschieden sich die letzten Gäste auch früher und dann erlaubt der Wirt mir, schon eher den Schankraum aufzuräumen und die Einnahmen des Tages zu zählen. Aber normalerweise nicht, normalerweise haben wir bis nach Mitternacht geöffnet. Zumindest seitdem ich hier arbeite. Was noch nicht so lange ist. Es ist eine gute Arbeit, lieber würde ich mit euch auf Reisen gehen, aber meine Mutter bestand darauf, dass ich einen anständigen Beruf ergreife. Und wenn meine Mutter auf etwas besteht, widerspricht man ihr lieber nicht. Jedenfalls, deshalb bin ich hier.“

Hal und Tar schauen sie verständnislos an. Ihr Boss lächelt hingegen wissend.

„Mit standhaften Eltern kenne ich mich aus. Aber das ist nicht der Grund, aus dem du an unseren Tisch gekommen bist, richtig?“

Das Mädchen druckst ein wenig herum und wirkt verlegen.

„Nein … Nein. Ich bin hier, weil ich mich euch anschließen möchte. Ich habe immer davon geträumt, Abenteuer zu erleben und die Welt zu sehen.“

Die Frau wirft ihren beiden Mitstreitern einen amüsierten Blick zu, bevor sie sich wieder an das Mädchen wendet:

„Und warum sollten wir dich in unserer Truppe willkommen heißen?“

Hal hakt ein.

„Kannst du kämpfen? Beherrschst du alte Schriften?“

Tar beteiligt sich ebenfalls.

„Oder hast du magisches Talent? Irgendwelche Fähigkeiten, die über das Fegen eines Schankraums hinausgehen? Und wie alt bist du überhaupt?“

Die drei machen sich einen Spaß daraus, das Mädchen zappeln zu lassen. Sie lässt sich allerdings nicht beirren.

„Ich bin alt genug. Erwachsen. Ich kann gut mit dem Bogen umgehen und mein Vater sagt, dass meine Singstimme selbst die alten Männer im Dorf zu Tränen rührt.“

Tar runzelt skeptisch die Stirn.

„Singen kannst du also. Wir können tatsächlich jemanden gebrauchen, der oder die nicht wie eine alte Krähe klingt. Aber bist du auch gut?“

Das Mädchen strafft die Schultern und versucht, so selbstbewusst wie möglich auszusehen.

„Ich bin besser als die meisten.“

Die drei Kämpfer_innen sehen sich an. Wortlos kommen sie quer über den Tisch hinweg zu einer Einigung. Die Frau grinst das Mädchen an. Etwas verschlagen, aber nicht unfreundlich.

„Pass auf, ich mache dir einen Vorschlag. Ich ziehe diesen Trauerklößen schon seit Jahren das Geld aus den Taschen. Das wird langsam langweilig. Viel zu holen ist bei den beiden eh nicht. Wie wäre es, wenn wir darum spielen? Wenn du gewinnst, nehmen wir dich mit in unser Lager und stellen dich dem Rest der Truppe vor. Wenn ich gewinne, geht unsere Rechnung von heute Abend aufs Haus. Na, was sagst du?“

Das Mädchen muss nicht lange überlegen. Sie zieht sich einen Stuhl an den Tisch und setzt sich. Die giftigen Blicke des Wirts ignoriert sie.

„Einverstanden!“

Die beiden Frauen reichen sich die Hände und schlagen ein. Die Anführerin der Truppe teilt erneut Karten aus, diesmal auch an das Mädchen. Das Spiel beginnt …

Wortmagie’s makabre High Fantasy Challenge 2023: Die Anmeldung ist eröffnet!

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Wollt auch ihr euer Glück wagen, Abenteuer erleben und durch fremde Welten reisen?

Dann seid ihr hier genau richtig! Wortmagie’s makabre High Fantasy Challenge 2023 bietet euch Nervenkitzel, kniffelige Herausforderungen und motiviert euch, jede Menge Literatur aus der High und Low Fantasy zu lesen!

Ich lade euch herzlich ein, mich bei der achten Ausgabe dieser Quest zu begleiten und erneut 30 Aufgaben zu erfüllen, die all das feiern, was das Genre so unwiderstehlich macht. Ob blutig, brutal oder geschmacklos – wir lassen uns von nichts aufhalten, um epische Leseerfahrungen zu sammeln.

Unter allen tapferen Mitstreiter_innen verlose ich natürlich wie immer ein Wunschbuch im Wert von 20 Euro, denn euer Mut soll nicht unbelohnt bleiben!

Schaut auf der offiziellen Challenge-Seite vorbei, meldet euch an und beweist, aus welchem Holz ihr geschnitzt seid! Ich freue mich auf eine bunte Truppe, die mit allen Wassern gewaschen ist!

Alles Liebe,
Elli ❤️