Montagsfrage: Zu unpolitisch?

Hallo ihr Lieben! 😊

Da bin ich wieder! Seit Mittwochnacht sind der Lieblingsmensch und ich zurück in Berlin – zurück in der realen Welt. Glaubt mir, dieser Übergang ist gar nicht so leicht, wenn man aus Disneyland kommt.

Es war ein wundervoller, magischer, perfekter Urlaub. Ich kann euch wirklich allen empfehlen, das ebenfalls irgendwann zu machen. So sorgenfrei und unbeschwert habe ich mich schon sehr, sehr lange nicht mehr gefühlt. Disneyland ist eine Parallelwelt, eine schimmernden Blase aus Kindheitserinnerungen und Abenteuern. Alles ist bunt, fröhlich, friedlich und einladend. Überall glitzert es, an jeder Ecke wird muntere Musik gespielt und (fast) alle Menschen sind glücklich.

Wenn man nicht möchte, besteht überhaupt kein Grund, Kontakt mit der alltäglichen Realität aufzunehmen. In Disneyland ist für alles gesorgt und in regenbogenfarbene Watte verpackt. Es gibt keinen Krieg, keinen Klimawandel, kein Corona, keine Probleme. Die Illusion ist makellos. Und obwohl ich wusste, dass es eine Illusion ist, habe ich es genossen. Es war so einfach, mich mitreißen zu lassen und alles zu vergessen, was mir das Leben sonst vor die Füße wirft.

Diese emotionale und mentale Pause hat uns beiden unheimlich gut getan. Es gibt keinen besseren Ort, um mal richtig abzuschalten. Es ist eine Traummaschine, die wie geschmiert läuft, selbst mit allen Corona-Maßnahmen. Wir sind Achterbahn gefahren, haben Paraden und Shows gesehen und jede Attraktion besucht, die auf unserer Liste stand. Zusätzlich hatten wir strahlendes Wetter, was das ganze Erlebnis noch ein bisschen besser gemacht hat. Es war wirklich eine einmalige, unvergleichliche Erfahrung. Es war so wunderschön, dass ich am Ende ganz wehmütig war, diese sorgenlose Zauberwelt wieder verlassen zu müssen.

Leider kann nun mal nicht jeden Tag Disneyland sein. Der Alltag ruft. Ab heute muss ich wieder arbeiten und beginne parallel dazu eine Weiterbildung zur SEO-Managerin. Hoffentlich hilft mir die Montagsfrage von Sophia von Wordworld, mich langsam wieder an die echte Welt zu gewöhnen.

Sollte die Buchcommunity politischer sein?

Tja, da ist mein Traum eines sanften Wiedereinstiegs nach dem Urlaub wohl geplatzt. Mit dieser Frage ist das nicht möglich, weil sie mich ehrlich gesagt ziemlich auftregt. Natürlich bezieht sich Sophia auf den russischen Angriffskrieg in der Ukraine. Ihre Frage ist allerdings unpräzise formuliert, weil sie eigentlich wissen möchte, ob Buchblogger_innen auf der Plattform ihrer Wahl politisch Stellung beziehen sollten oder sogar müssten – nicht, ob die Menschen, aus der sich die Buchcommunity zusammensetzt, selbst politischer sein sollten.

Diese Unterscheidung ist mir mal wieder sehr wichtig, weil hinter Buchblogs, Bookstagram-Kanälen oder BookTube-Accounts Menschen stecken können, die sich als äußerst politische Personen verstehen, selbst wenn sie öffentlich keine politischen Themen behandeln. Lasst uns an dieser Stelle bitte ignorieren, dass Menschen meiner Meinung nach grundsätzlich nicht unpolitisch sein können, denn das würde heute zu weit führen.

Nach dieser Abgrenzung nun meine Antwort in Kurzform: Nein. „Sollen“ ist ohnehin ein Hilfsverb, dass ich in den meisten Kontexten der Lebensgestaltung ablehne, in diesem Fall schwillt mir bei dessen Verwendung jedoch wirklich die Hutkrempe. Der Grund dafür liegt in der Unterscheidung, die ich eben erklärt habe. Ich begreife mich als sehr politische Person. Ich vertrete starke Meinungen und stehe zu meinen Einstellungen. Meine Güte, ich binge-watche jede Woche Markus Lanz, um politisch stets auf dem Laufenden zu sein, ich höre Nachrichten und befasse mich mit der politischen Weltlage. Ich diskutiere aktuelle Ereignisse mit meiner Familie und meinen Freunden.

Dennoch wähle ich sehr genau aus, in welchen Kontexten ich mich mit Politik beschäftige, vor allem, wenn es um Themen geht, die emotional so belastend sind wie der Krieg in der Ukraine. Das ist eine Herangehensweise, die ich durch meine jahrelange Arbeit für Axel Springer etabliert habe. Ich konsumiere Nachrichten, auch politische Nachrichten, ausschließlich zu Bedingungen, mit denen ich gut umgehen kann und die sich für mich gesund anfühlen. Das heißt, dass ich dafür bewusst Räume schaffe und diese von meinen übrigen Lebensbereichen hart abspalte. Täte ich das nicht, könnte ich nicht mehr funktionieren, weil mich all die negativen Emotionen, die ich aktuell bezüglich der Ukraine empfinde, lähmen würden.

Das mag radikal klingen, ist aber nicht mehr als ein Selbstschutzmechanismus. Dass ich auf meinem Blog nicht über die Ukraine diskutiere, hat also gar nichts damit zu tun, dass ich dazu keine Meinung hätte oder mir das Schicksal der Menschen dort egal wäre. Es ist einzig darin begründet, dass mein Blog erstens einen deutlich definierten thematischen Rahmen hat und dass ich mich zweitens einfach nicht permanent mit diesem Krieg beschäftigen kann, weil das schädlich für mich wäre.

Dazu stellt sich mir die Frage, was genau es den leidenden Menschen in der Ukraine bringt, wenn ich plötzlich anfangen würde, auf meinem Buchblog über die Situation zu schreiben. Ist es nicht viel sinnvoller, wenn ich spende, Demonstrationen besuche und in den richtigen Kontexten Stellung beziehe, statt willkürlich und ohne das nötige Fachwissen darüber zu spekulieren?

Sophia deutet an, dass Buchblogger_innen ihre Reichweite eventuell dazu nutzen sollten, um über „wirklich relevante Themen“ zu sprechen. Erst einmal: Welche Reichweite? Seien wir ehrlich, die meisten Buchblogs (und andere Formate) haben eine sehr begrenzte Reichweite, die sich überwiegend auf die berühmte Bubble erstreckt und darüber hinaus sehr national geprägt ist. Was könnte ich denn schreiben, was nicht bereits von Nachrichtendiensten abgehandelt wurde? Inwiefern kann ich Aufmerksamkeit generieren, die nicht ohnehin bereits besteht? Wen kann ich erreichen, der_die noch nicht über die Situation in der Ukraine Bescheid weiß? Meine Inhalte hätten doch überhaupt keinen Mehrwert – für niemanden.

Ebenso finde ich es fast schon gefährlich, zu verlangen, ein Hobby aufzugeben, das in meinem Leben sehr bedeutsam für mich ist, weil Krieg in einem anderen Land herrscht. Wieso? Welchen Effekt hätte das? Doch nur, dass ich unglücklich wäre. Es ist kein Zeichen von Solidarität, nicht mehr über Charakterkonstruktion, Worldbuilding oder andere Aspekte eines Buches nachzudenken. Das ist meiner Meinung nach falsch verstandene Solidarität. So heftig das klingen mag, mein Leben steht ja nicht still, weil Putin durchgedreht ist.

Was da meinem Empfinden nach mitschwingt, ist die Forderung, mich nur noch mit dem Krieg auseinanderzusetzen und das ist aus meiner Sicht falsch und ungesund. Wo fängt das an, wo hört das auf? Darf ich mir dann auch keine Gedanken mehr darüber machen, was ich gern zum Abendessen kochen würde? Darüber hinaus dürfen wir nie vergessen, dass der Krieg in der Ukraine schrecklich ist – aber unsere Betroffenheit hängt eng damit zusammen, dass er weniger weit entfernt ist, als wir es sonst gewohnt sind.

Es herrscht immer irgendwo auf der Welt Krieg. Immer. Das ist zutiefst bedauerlich und ginge es nach mir, hätten wir den Weltfrieden. Haben wir aber nicht. Ergo hätte ich einen Buchblog eigentlich gar nicht erst gründen dürfen. Folgen wir der Argumentation, dass es unverhältnismäßig ist, über Bücher zu diskutieren, während in einem anderen Land Menschen Kriegshandlungen zum Opfer fallen, müssen wir auch konsequent sein. Das heißt, wir dürften niemals über Bücher bloggen.

Es ist vollkommen in Ordnung, sich nicht permanent mit dem Krieg in der Ukraine zu beschäftigen und es ist auch okay, weiterhin über Bücher zu sprechen und sich damit einen emotionalen wie mentalen Rückzugsort zu schaffen. Das heißt nicht, dass wir nicht Stellung beziehen. Es heißt auch nicht, dass wir nicht politisch wären. Es heißt einfach nur, dass wir auswählen, in welchen Kontexten wir politisch Stellung beziehen. Ein Buchblog ist selten ein passendes Medium dafür. Ein Hobby, das uns sicher allen viel bedeutet, einzustellen, um sich solidarisch zu zeigen, ist Unsinn, überflüssig und verfehlt.

Wenn ihr euch mit der Ukraine solidarisch zeigen wollt, ist das löblich. Aber bitte findet andere Wege, euch zu engagieren und hört nicht auf, etwas auszuleben, was euch ausmacht. Das spielt Putin nämlich nur in die Karten.

Findet ihr, dass Buchblogs stärker politisch Stellung beziehen sollten?

Ich freue mich wie immer sehr auf eure Beiträge und Kommentare und wünsche euch allen einen zauberhaften Start in die neue Woche!
Alles Liebe,
Elli ❤️