Montagsfrage: Empfehlenswerte lgbtqia+ Literatur?

Hallo ihr Lieben :)

Es ist jetzt kurz vor 5 Uhr morgens und ich komme gerade von unserem kleinen traditionellen Super Bowl – Beisammensein. Die L.A. Rams haben die Cincinatti Bengals 23 zu 20 geschlagen. Das ist schade, denn ich habe definitiv für die Bengals und ihren sehr jungen Quarterback Joe Burrow mitgefiebert, aber ich gönne es den Rams auch und bin außerdem ziemlich sicher, dass wir die Bengals nicht das letzte Mal im Super Bowl gesehen haben. Es war ein tolles Spiel mit einigen dramatischen Szenen, einem ausgeglichenem Schlagabtausch und einer Halbzeitshow, die diesen Titel verdient. Kurz: Ein rundum guter Abend. 😄

Erstaunlicherweise bin ich noch nicht so müde, wie ich befürchtet habe. Gut, dann nutze ich diese Energie doch gleich für die Montagsfrage von Sophia von Wordworld, bevor ich mich ins Bett verkrümele.

Welche LGBTQIA+ Geschichten kennt Ihr und könnt Ihr empfehlen?

Als ich die Frage gelesen habe, ist mir sofort Becky Chambers eingefallen. Ihre mittlerweile vierteilige „Wayfarers“-Reihe ist so ziemlich die inklusivste, toleranteste Literatur, die ich kenne. Alle drei Bände, die ich bisher gelesen habe, sind wundervoll sowie bewegend und die Tatsache, dass sie darin sehr offen und flexibel mit unseren gesellschaftlichen Normen umgeht, spielt dabei eine entscheidende Rolle.

Cover des Buches "The long way to a small, angry planet" von Becky Chambers

Schon im ersten Band „The long way to a small, angry planet“ (Wie toll ist bitte dieser Titel?) hinterfragt Chambers ohne jegliche Zurückhaltung konventionelle romantische Beziehungskonzepte. Im zweiten Band „A Closed and Common Orbit“ erweitert sie diesen Ansatz und nimmt auch andere Beziehungsdynamiken in ihre Untersuchungen auf, darunter zum Beispiel Eltern-Kind-Beziehungen. Sie zeigt unerschrocken, dass Liebe nicht an bestimmte Regeln gebunden ist. Sie demonstriert, dass emotionale Erfüllung auch in einem Rahmen möglich ist, der uns ungewöhnlich oder schwer vorstellbar erscheinen mag.

Damit öffnet sie ganz bewusst sanft den Horizont ihrer Leser_innen und bietet ihnen Geschichten, in denen sie Fremdartigkeit ohne Berührungsängste oder Scheu kennenlernen können. Sie betont subtil, wie eng unsere Perspektive als menschliche Gesellschaft oft ist und dass die Erweiterung unserer sozialen Konstrukte eine Bereicherung bedeuten kann. Es sind sensationelle Bücher, die mich tief berührten – keines hat bisher weniger als fünf Sterne erhalten. Chambers setzt sich mit Wärme, Toleranz und Verständnis für die LGBTQIA+ Community ein, der sie übrigens auch selbst angehört.

Cover des Buches "A Crown for Cold Silver" von Alex Marshall

Ein weiterer Mehrteiler, den ich ganz ausdrücklich für den Umgang mit Diversität loben möchte, ist „The Crimson Empire“ von Alex Marshall. Als der Autor die Trilogie schrieb, verfolgte er das ambitionierte Anliegen, eine Fantasy-Trilogie zu konzipieren, ohne die gesellschaftlichen Konflikte unserer Realität zu reproduzieren. Er wollte Diskriminierung jeglicher Art gezielt ausklammern. Das ist ihm leider nicht vollständig gelungen, strukturellen Rassismus musste er leider doch aufnehmen, aber weitere Formen von Diskriminierung konnte er erfolgreich umgehen.

Das bedeutet, dass schon im ersten Band „A Crown for Cold Silver“ keinerlei Ungleichbehandlung aufgrund von Geschlecht, Gender, Alter, Religion oder anderer willkürlicher Aspekte stattfindet. Wir erleben Frauen reihenweise in Führungspositionen, wir erleben die beiläufige Akzeptanz jeglicher romantischer oder sexueller Vorlieben und ein intrinsisches Verständnis dafür, dass Gender nicht zwangsläufig durch Geschlecht bestimmt wird. Beinahe alles ist erlaubt, nichts ist tabu und wird einfach gar nicht erst thematisiert.

Cover des Buches "A Crown for Cold Silver" von Alex Marshall

Ich habe mich nach der Lektüre der Trilogie sehr darüber gewundert, dass einige Leser_innen Alex Marshall vorwarfen, gar kein „echtes“ gleichberechtigtes Universum erschaffen zu haben. Es wurde sich beschwert, dass es kein Zeichen von Gleichberechtigung sei, dass die meisten Figuren bisexuell und promiskuitiv sind und Frauen alle wichtigen Positionen einnehmen.

Ich kann darüber nur den Kopf schütteln. Gerade in High und Low Fantasy sind männerzentrierte Geschichten und Settings noch immer die Norm. Dass ein weißer, heterosexueller cis-Autor versucht, es besser zu machen, verdient Applaus. Mag sein, dass das Ergebnis nicht perfekt ist, aber die Tatsache, dass keine der Figuren auch nur ein einziges Mal auf Gender, Geschlecht oder sexuelle Orientierung einer anderen Person reagiert, ist für mich definitiv ein Schritt in die richtige Richtung. Das Ziel von Gleichberechtigung sollte doch sein, dass wir über diese Aspekte eben nicht mehr sprechen müssen, weil sie als vollkommen normal behandelt werden.

Deshalb möchte ich euch „The Crimson Empire“ ans Herz legen, obwohl die Geschichte durchaus Verbesserungspotenzial hatte. Marshall verfolgte eine seltsame Taktung und bummelte leider zu sehr, um die Handlung im Finale „A War in Crimson Embers“ befriedigend abzuschließen, doch die Erfahrung, ein so gleichberechtigtes Universum zu erkunden, entschädigte mich dafür. Gebt der Trilogie eine Chance, habt Geduld und saugt das Worldbuilding in euch auf, dann lohnt sich die Lektüre.

Soweit zu meinen Tipps für heute, jetzt wird es Zeit fürs Bett. 😉

Welche Bücher aus dem LGBTQIA+ Bereich könnt ihr empfehlen?

Ich freue mich wie immer sehr auf eure Beiträge und Kommentare und wünsche euch allen einen erholten Start in die neue Woche!
Alles Liebe,
Elli ❤️